Tetanus

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Wundstarrkrampf, Lockjaws

Erreger

Clostridium tetani ist ein anaerobes, grampositives, sporenbildendes Stäbchen. Die Sporen sind widerstandsfähig gegen Hitze und Desinfektion. Die idealen Wachstumsbedingungen bestehen bei 37°C.

Verbreitung

Ubiquitär, v. a. in Böden mit alkalischem pH-Wert sowie in tierischen und menschlichen Exkrementen. Der Erreger ist erst in der Erde gefährlich, wo die Sporen lange überleben können. Die Inzidenz der Erkrankung ist abhängig vom Entwicklungsstand der Länder: in entwickelten Ländern ist Tetanus nur noch bei älteren, nichtimmunisierten Menschen zu sehen, hingegen in den tropischen und subtropischen Gebieten noch häufig.

Übertragung

Erfolgt durch Inokulation von Sporen bei Verletzungen (Schürf-, Kratz- und Bißwunden, auch Verbrennungen). Die Wunden müssen nicht unbedingt offen sein. Sind die Sporen eingetreten, kommt es unter anaeroben Verhältnissen zur lokalen Toxinproduktion. Die Toxine wandern entlang der peripheren Nerven zum Zentralnervensystem. An Neurone gebundenes Tetanustoxin kann nicht entfernt werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit richtet sich nach der inokulierten Toxinmenge und liegt zwischen 3 Tagen und mehreren Wochen, in der Regel jedoch zwischen 4 und 14 Tagen. Eine kürzere Inkubation (hohe Menge inokulierten Toxins) hat eine ungünstigere Prognose.
Bei einer Eintrittspforte am Kopf beginnt die Erkrankung schneller und verläuft schwerer.

Symptomatik

Die Krankheit beginnt häufig mit Rigidität und Trismus (Kieferklemme, Krämpfe der Zunge und Kaumuskulatur, grinsender Eindruck durch Spasmen der mimischen Muskulatur = Risus sardonicus). Als weitere Symptome kommen tonische Krämpfe, Dysphagie und Opisthotonus vor. Die Krampfanfälle treten in immer kürzeren Intervallen auf und sind schmerzhaft. Es kann zu leicht erhöhten Temperaturen kommen. Der Tod erfolgt durch Asphyxie, Glottis-, Atem-, Bauchmuskulatur- bzw. Zwerchfelllähmung und Koma.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt meist klinisch und wird durch Labordiagnostik bestätigt. Der Erregernachweis aus der Wunde ist schwierig, im Direktpräparat kaum sinnvoll, so daß der Toxinnachweis im Tierversuch (Ergebnis nach mehreren Tagen) erfolgt. Der Nachweis von spezifischen Antikörpern ist für die Diagnose der Infektion ohne Bedeutung, eine Prüfung auf ausreichende Mengen an schützenden Antikörpern (nach Impfung) mittels ELISA ist möglich.
Der Katecholaminplasmaspiegel ist erhöht.

Therapie

Nach gründlicher Wundtoilette sollte sofort Tetanusimmunglobulin intramuskulär verabreicht werden. Die Therapiedauer richtet sich nach Schwere und Krankheitsverlauf. Steht kein Tetanusimmunglobulin zur Verfügung, gibt man Tetanusantitoxin in einer einmaligen großen Dosis zur Neutralisierung des noch nicht gebundenen oder neu gebildeten Toxins. Wegen der Gefahr eines anaphylaktischen Schocks sollte eine Testdosis subkutan und dann auch intramuskulär appliziert werden. Clostridium tetani reagiert empfindlich auf Penicillin G, dessen Wirkung auf Letalität und Symptome jedoch nicht sicher von der des Immunglobulins unterschieden werden kann. Als unspezifische Therapie kommen Sedativa, Muskelrelaxanzien zur Unterdrückung der Krampfanfälle, Betablocker zur Supprimierung der Hyperaktivität und Ganglienblocker zur Senkung des Katecholaminspiegels in Frage. Die Letalität liegt trotz eingeleiteter Maßnahmen bei 10 bis 50%.

Prophylaxe

Schon im Kindesalter aktive Immunisierung. Die Grundimmunisierung erfolgt bei Kindern als Kombinationsimpfstoff DPT, alternativ DT-Gabe. Eine Auffrischimpfung nach 10 Jahren ist für einen raschen Titeranstieg von Tetanusantikörpern ausreichend. Die Methode, nach jeder Verletzung Tetanusbooster zu geben, führt eher zu Hyperimmunisierung mit steigender Komplikationsrate. Die Prophylaxe im Verletzungsfall sollte sich nach der vorhandenen Immunisierung richten. Die Gabe von Tetanustoxoid erfolgt nur bei fehlender oder unzureichender Grundimmunisierung und bei länger als 5-10 Jahre zurückliegender Auffrischimpfung. Die Indikation zur Gabe von Tetanusimmunglobulin besteht bei großen, schmutzigen Wunden, wenn der Stand der Tetanusimmunisation unsicher ist oder bei schweren Verbrennungen und Wunden, die nicht chirurgisch versorgt werden können. Ein überstandener Tetanus hinterlässt keine Immunität, deshalb sollten auch Personen nach einer Erkrankung geimpft werden.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS