Tollwut

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Rabies, Lyssa

Erreger

Lyssavirus.

Verbreitung

Weltweit, bevorzugt Asien. Einige Länder tollwutfrei.

Übertragung

Mit virushaltigen Sekreten tollwütiger Tiere, meist durch Biß oder Kratzer. Tollwutvirus durchdringt intakte Schleimhaut und verletzte Haut, nicht aber intakte Haut. Selten über Inhalation virushaltiger Aerosole in fledermausbewohnten Höhlen. Virus bei Erkrankten in Speichel, Tränenflüssigkeit und Urin nachweisbar. Tollwut betrifft vor allem Warmblüter, vorrangig Fleischfresser. Übertragung auf den Menschen meist durch Hunde, Katzen, Rinder, Pferde, Schafe und Schweine. Bei der Jagd Gefährdung durch Füchse u.a. Spaziergänger sind durch scheinbar zutrauliche freilebende Tiere gefährdet.

Inkubationszeit

(4 -) 20 - 90 (> 365) Tage. Abhängig von Entfernung der Eindringstelle zum Gehirn. Kopfnahe kurze, kopffern lange Inkubationszeit.

Symptomatik

Prodromalstadium: Juckreiz, Schmerzen und Parästhesien an bereits verheilter Bißstelle. Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, gelegentlich Fieber. Zunehmende Unruhe und Nervosität.
Akutes neurologisches Stadium: Enzephalitischer Verlauf häufiger, paralytischer Verlauf seltener. ängstlichkeit, motorische Unruhe, Hyperreflexie und Muskelspasmen. Bei Flüssigkeitsaufnahme pharyngealen Spasmen - Hydrophobie. Photophobie. Geräuschempfindlichkeit, Empfindlichkeit auf Luftbewegungen. Hypersalivation und Hyperventilation. Krampfanfälle. Fortschreitende Paralyse. Konfusion und Desorientiertheit.
Koma und Tod: Tod infolge Komplikationen wie Aspirationspneumonie oder Atemlähmung.

Differentialdiagnose

Enzephalitiden, Meningitiden und Myelitiden anderer Genese. Tetanus.

Diagnostik

Beim Menschen: Bei Erkrankung Antigennachweis aus Speichel, Kornealabstrich und Rachensekret (Fluoreszenztest) möglich. Ebenfalls erst bei Erkrankung Antikörpernachweis (ELISA, RFFIT). Beim Tier: Tierbeobachtung. Antigennachweis aus Speichel oder Kornealabstrich. Ggf. Tierversuch. Erregernachweis aus Gehirngewebe (Fluoreszenztest).

Therapie

Rasche Wundreinigung (Seife oder andere Detergentien, anschließend viel Wasser) und Wundversorgung (Jodpräparate, 70 %-igen Alkohol, ggf. Exzision, Tetanusschutz, Antibiotikaprophylaxe). Keine primäre Wundnaht. Weiteres Vorgehen abhängig vom Expositionsgrad (Impfung, Tollwutimmunglobulin).
Expositionsgrad I - keine Impfung: Bei Tierexposition durch ein tollwutverdächtiges oder tollwütiges Wild- oder Haustier: Berühren oder Füttern; Belecken bei intakter Haut. Bei Exposition durch Impfköder: Berühren bei intakter Haut.
Expositionsgrad II - Impfung: Bei Tierexposition durch ein tollwutverdächtiges oder tollwütiges Wild- oder Haustier: Knabbern an unbedeckter Haut; oberflächliche, nicht blutende Kratzer; Belecken der nicht intakten Haut. Bei Exposition durch Impfköder: Kontakt mit Impfflüssigkeit eines beschädigten Impfstoffköders mit nicht intakter Haut.
Expositionsgrad III - Simultanprophylaxe, d.h. Impfung und Tollwutimmunglobulin: Bei Tierexposition durch ein tollwutverdächtiges oder tollwütiges Wild- oder Haustier: Jegliche Bißverletzung oder Kratzwunden; Kontamination von Schleimhäuten mit Speichel. Bei Exposition durch Impfköder: Kontamination von Schleimhäuten und frischen Hautverletzungen mit der Impfflüssigkeit eines beschädigten Impfstoffköders.
Bei Ausbruch erster Symptome galt noch bis zum Jahre 2004, dass die Krankheit dann zwingend tödlich verläuft. Seither konnte einer Handvoll Patienten durch Anwendung des Milwalkee-Protokolls das Leben gerettet werden.

Immunisation

Aktive Immunisierung mit inaktivierten Tollwutviren: HDC-Impfstoff (human diploid cell) oder Hühnerfibroblastenimpfstoff PCEC (purified chick embryo cell. Verträglichkeit gut. Schutzrate nahezu 100 %. Indikation: Risikogruppen (u.a. Forstbedienstete, Waldarbeiter, Jäger, Schlächter, Risikoreisende).
Bei präexpositioneller Prophylaxe - Schema 0 - 28 - 56 Tage, bzw. unter Zeitdruck 0 - 7 - 21 Tage. Nach 1 Jahr Auffrischimpfung, dann alle 2 - 5 Jahre. Impfschutz ab 0,5 IE/ml Tollwut-Antikörper, ggf. Serumtiter 1:16.
Bei postexpositioneller Prophylaxe - Schema 0 - 3 - 7 - 14 - 28 - 90 Tage. Auffrischung nach 1 Jahr möglich, dann alle 2 - 5 Jahre. Bei begonnener Immunisierung mit unbekannter Vakzine (z.B. im Ausland) neue Immunisierung (s.o.). Immunisierung vor weniger als 1 Jahr, eine Auffrischimpfung; vor 1 - 5 Jahren, Auffrischung nach Schema 0 - 3 Tage; mehr als 5 Jahre, komplett neue Immunisierung (s.o.).
Bei passiver Immunisierung - Schnellstmöglich, innerhalb 72 Stunden. Dosis 20 IE/kg Körpergewicht. Dabei halbe Dosis um die Verletzungsstelle, andere Hälfte intramuskulär. Simultan aktive Immunisierung. Aktive und passive Immunisierung örtlich getrennt.

Meldepflicht

Verdacht, Erkrankung, Tod.

Achtung

Besondere Gefährdung bei Kindern. Bei Biß durch tollwütige Tiere meist kopfnahe Verletzung.

Impfstoffe: Rabipur (Chiron Behring), Tollwut Impfstoff HDC (Pasteur Merieux MSD)


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS