Tularämie (Hasenpest)

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Hasenpest

Erreger

Francisella (früher auch: Pasteurella) tularensis. Zwei Biovare: Francisella tularensis biovar tularensis (Typ A) und Francisella tularensis biovar palaearctica (Typ B).

Verbreitung

Nördliche Hemisphäre zwischen 30°N und 71°N. USA (vor allem Arkansas, Missouri, Oklahoma, Tennessee, Kansas und Utah, anderen Bundesstaaten außer Hawaii), Kanada und Mexiko. Fern Ost mit Japan und Sowjetunion. Europa, insbesondere Finnland und Skandinavien.

Übertragung

Zooanthroponose. Erregerreservoir: Wildlebende Säugetiere, Haustiere, Vögel, Fische. In Mitteleuropa: Hasen, Wildkaninchen, Ratten, Mäuse, Eichhörnchen und Hamster, seltener Wildgeflügel, Fuchs, Nutz- und Haustiere. Auch in Schlamm und Wasser nachweisbar.
Übertragungsmöglichkeiten: Direkter Hautkontakt (Jagen, Enthäuten oder Schlachten). Blutsaugende Vektoren (Mücken, Zecken, Milben, Flöhe und Läuse). Inhalative Übertragung (verunreinigtes Heu, Silofutter, Erde, Staub). Kontakt mit verunreinigten Wasser (beruflich, Freizeitaktivitäten). Verzehr ungenügend erhitzten erregerhaltigen Fleisches.

Inkubationszeit

(1 -) 3 - 5 (- 14) Tage.

Symptomatik

Unterschiedliche Krankheitsbilder. Meist fieberhafte, pestähnliche Krankheitsbilder. Grobe Unterteilung in äußere (lokalisierte) Formen und innere (invasive) Formen.
äußere (lokalisierte) Formen:
(1) Ulzeroglanduläre (kutanoglanduläre) Form: Am häufigsten (75 - 85%). Eintrittstelle: Exanthem - Papel – Ulkus (ausgefranster Rand). Eine oder mehrere Läsionen. Regionäre Lymphknoten vergrößert, schmerzhaft und eventuell ulzerierend. Krankheitsverlauf selbstlimitierend.
(2) Oralglanduläre (anginöse, oropharyngeale) Form: Fieber, Nausea, Erbrechen, Bauchschmerz, Diarrhoe und mesenteriale Lymphadenopathie.
(3) Okuloglanduläre Form: Eintrittsstelle Auge. Schmerzhafte Konjunktivitis, periorbitales ödem, regionäre Lymphknotenbeteiligung. Später Hornhautulzera.
Innere (invasive) Formen:
(1) Typhoide (septische) Form: Fieber, Myalgie, Kopfschmerz, Erbrechen, Bauchschmerzen und Diarrhoe. Lymphknotenbeteiligung fehlt.

Komplikationen

Meningitis, Osteomyelitis oder Myokarditis.
(2) Pulmonale (thorakale) Form: Am zweithäufigsten. Inhalative Übertragung. Bild einer Pneumonie oder Pleuritis: Fieber, Dyspnoe, Husten und Thoraxschmerzen.
Infektionen mit Typ A schwerer Verlauf als durch Typ B. Invasive Verlaufsformen schlechtere Prognose als lokalisierte. Letalität ohne Therapie bis zu 20 %. Nach Infektion zellvermittelte Immunität. Reinfektion möglich, aber milder.

Diagnostik

Direkter oder indirekter Erregernachweis serologisch erfolgen. Direkter Erregernachweis durch kulturelle Anzucht auf Spezialnährböden. Indirekter Erregernachweis serologisch mit Agglutinationstest gegen Ende der 2. Woche (Kreuzreaktionen: Brucellen, Proteus).

Achtung

Tularämie-Verdacht unbedingt Labor mitteilen (tödliche Laborinfektionen).

Differentialdiagnose

Ulzeroglanduläre Form: Pest, Katzenkratzkrankheit, Lymphogranuloma venerum, Granuloma inguinale, Ulcus molle, Sporotrichose, Toxoplasmose und andere.
Oropharyngeale Form: Streptokokkenpharyngitis, Infektiöse Mononukleose, Diphtherie und andere.
Pulmonale Form: Pneumonien anderer Ursache. Tuberkulose, Mycoplasmenpneumonie, Legionellose, Rotz, Melioidose, Lungenpest, Psittakose, Q Fieber, Histoplasmose, Blastomykose, Neoplasien und andere.
Typhoide Form: Sepsis anderer Ursache. Typhus, Brucellose, Leptospirose, Rotz, Melioidose, Yersiniose, Rocky Mountain Spotted Fever, Lymphoretikulose, Virusinfektionen und andere.

Therapie

Antibiotisch mit Streptomycin.

Immunisation

Impfung möglich. Indiziert nur für gefährdete Personen (Laborpersonal). Attenuierte Lebendimpfstoff deutlich wirksamer als Todimpfstoff.

Meldepflicht

Verdacht, Erkrankung und Tod.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS