Blastomykose

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Nordamerikanische Blastomykose, Gilchristsche Krankheit, Gilchrist-(Rixford)-Krankheit, Morbus Gilchrist, Zymonematose, North American Blastomycosis, Gilchrist's disease, Gilchrist disease, Chicago disease, Thoracic Blastomycosis, Pulmonary Blastomycosis, Disseminated Blastomycosis, Blastomycetoma, Blastocytoma.

Englisch: Blastomycosis

Erreger

Der im Erdreich und verrottendem Pflanzenmaterial saprophytisch lebende dimorphe Pilz (Ascomyzet; Onygenales) Blastomyces dermatitidis (Imperfekte Form); (Perfekte Form oder teleomorph: Ajellomyces dermatitidis) bevorzugt feuchten, leicht saueren Boden der oft auch mit Tierexkrementen kontaminiert ist, besonders in der Nähe von Seen und Flüssen.

Verbreitung

Überwiegend in Nordamerika (teilweise ähnlich den Endemiegebieten von Histoplasma capsulatum): USA (z.B. Osten, Süden und Mittlerer Westen mit Ohio- und Mississippi-Gebiet, St Lawrence River-Gebiet) und südliches Kanada (Quebec, Ontario, Manitoba). Einzelne Vorkommen gibt es auch in Zentral- und Südamerika. Sporadische Fälle sind bekannt aus Afrika (Demokratische Republik Kongo, Tansania, Südafrika), Indien, Israel und Saudi-Arabien. Aufgrund der Verbreitung ist die Bezeichnung "Nordamerikanische Blastomykose" irreführend.

Entwicklungszyklus, Pathogenese:
Blastomyces dermatitidis komm je nach Temperatur in zwei verschiedenen Formen vor und wird deshalb zu den dimorphen Pilzen gezählt. Bei einer Temperatur von ca. 25°C wächst der Pilz in fadenförmigen Zellen, bei ca. 37°C (Körpertemperatur des Menschen) wächst er in Form von Hefezellen (Sprosszellen). Durch die Inhalation von mit Pilzsporen (Conidien) kontaminiertem Staub gelangt der Erreger in die Lunge und führt dort zu einer relativ langsam verlaufenden Pneumonie mit Ausbildung der Hefeform im Gewebe. In seltenen Fällen breitet sich Blastomyces dermatitidis über das Blut (Hämatogene Dissemination) auch in andere Organe wie Leber, Milz, Knochen, Niere, Prostata und Gehirn aus (Systemische Blastomykose). Oft kann dabei auch die Haut betroffen sein (Granulome und Abszesse). Auch asymptomatische Infektionen kommen vor. Häufig sind Tiere, insbesondere Hunde, von der Blastomykose betroffen. Am häufigsten betroffen sind expositionsbedingt Männer im mittleren Alter mit Outdoor-Aktivitäten. Die Erkrankung tritt häufiger in bewaldeten Regionen und besonders nach Regenfälle auf. Generell erkranken Männer deutlich häufiger als Frauen. Die meisten Infektionen in Nordamerika treten in den Monaten Juni bis Oktober auf (Zeit mit relativ viel Regen und wenig Schneebedeckung).

Übertragung

Häufigster Infektionsweg ist die Inhalation von sporenhaltigem Staub. Seltener kommt es perkutan (Verletzungen der Haut) zur Infektion. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch und von Tier zu Mensch scheidet als Infektionsweg nahezu aus. Besondere Risikogruppen für die Infektion mit Blastomyces dermatitidis sind Menschen mit häufiger Exposition zum Erdreich in bewaldeten Regionen, die auch Endemiegebiete sind, besonders in der Nähe von Flüssen und Seen (z.B. Arbeiter in der Landwirtschaft, Waldarbeiter, Jäger, Angler und Camper). Besondere Risikofaktoren sind nach kanadischen Untersuchungen beispielsweise Angeln, Jagen, Baden, Gartenarbeit, Waldarbeit, Arbeiten mit Schaufel oder Spaten (Bodenarbeiten).

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit ist sehr variabel, sie kann einige Wochen, aber auch mehrere Monate betragen. Bei pulmonaler Infektion ca. drei Wochen bis vier Monate. Bei kutaner Infektion ein bis fünf Wochen.

Symptomatik

Die Blastomykose beginnt in der Regel als erweiterte Bronchienentzündung, im weiteren verlauf werden Lunge und häufig die Haut befallen, Grippe-ähnliche Symptome treten auf (Fieber, Schüttelfrost, Husten, Myalgie, Arthralgie und Brustschmerzen) und starke Abmagerung kann die Folge sein. Eine Streuung erfolgt häufig in die Haut, seltener ins Skelett unter Ausbildung einer Osteomyelitis, ins Zentrale Nervensystem (ZNS), die Prostata oder Nebenhoden. Asymptomatische oder milde Verlaufsformen (bis zu 50% der Infektionen) sind neben der pulmonalen, kutanen und disseminierten Verlaufsform möglich. Die Blastomykose kann häufig auch einen chronischen Verlauf mit schleichendem Beginn haben. Da die pulmonale Symptomatik hierbei meist sehr milde verläuft, hat sich die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose häufig bereits extrapulmonal manifestiert.
Pulmonale Form: Die Symptomatik ist meist akut und tuberkulose- oder grippe-ähnlich (z.B. Fieber, Husten, Dyspnoe, Thoraxschmerz, purulenter Auswurf) Meist verläuft sie unter dem Bild einer selbstlimitierenden atypischen Pneumonie. Die Symptomatik ist nach ein bis drei Wochen meist spontan rückläufig. Röntgenologisch können Hilusschwellung und diffuse Parenchymverschattung auffallen. Aus pulmonalen Infiltraten können sich Kavernen (mit späteren Superinfektionen) bilden. Im Verlauf ist eine Disseminierung möglich.
Kutane Form: Primär nach Erregerinokulation (Wundinfektion) oder sekundär nach pulmonaler Streuung bilden sich an der Haut ein bis mehrere erythematöse Knötchen, die später ulzerös einschmelzen, verschorfen oder sich verrukös verändern und konfluierend narbig abheilende Hautveränderungen mit wulstig aufgeworfenen Rändern bilden können. Betroffen sind überwiegend Gesicht und Extremitäten. Mit fortschreitender Erkrankung können weiterhin allgemeines Schwächegefühl, Gewichtsverlust und subfebrile Temperaturen auftreten.
Disseminierte Form: Über hämatogene Erregeraussaat können verschiedene Organe betroffen sein: z.B. Lunge, Skelett (Osteomyelitis), ZNS, Haut und Urogenitalorgane. Der Verlauf ist hierbei fortschreitend. Unbehandelt und unter Kachexie endet diese Form fast immer letal. Die Pilze können im Körper über viele Jahre persistieren oder nach durchgemachter Infektion reaktivieren. Zerebrale Läsionen können zu entsprechenden neurologischen Herdsymptomen führen.

Prognose

Die Blastomykose hat unbehandelt in vielen Fällen einen tödlichen Verlauf, besonders bei der disseminierten Form. Chronische Verläufe und Multiorganerkrankung können auftreten. Besonders gefährdet sind immungeschwächte Personen.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt als direkter Erregernachweis nach Kultivierung (und Identifizierung) aus Sputum, Bronchiallavage, Pleuraexsudat, Magensaft, Urin, Liquor, Punktat oder Fisteleiter. Darüber hinaus gibt es serologische Untersuchungsverfahren (KBR) sowie einen Hauttest (Blastomycin). Gensonden, PCR und Sequenzierung können den Erregernachweis beschleunigen. Histologisch bedeutsam sind granulomatöse Veränderungen mit Riesenzellen, die unterschiedlich große, breitbasig sprossende Hefezellen enthalten. Serologische Verfahren wie Antigen- und Antikörpernachweis sind meist unzuverlässig und stehen zur Zeit nicht zur Verfügung.

Differentialdiagnose

Andere Systemmykosen, Kryptokokkose, Tuberkulose, Coccidioidomycose, Histoplasmose, Sarkoidose, Tuberkulose, Lymphoma, Bronchoalveoläres Karzinom.

Therapie

Kann über Monate notwendig sein. Itraconazol ist Mittel der Wahl; bei lebensbedrohlicher Infektion initial Amphotericin B, anschließend Itraconazol. Weiterhin neben Itraconazol auch Ketoconazol für milde Verläufe.

Prophylaxe

Eine spezifische Prophylaxe ist nicht möglich. Prophylaktisch kann jedoch durch bestimmte Arbeitsschutzmaßnahmen das Infektionsrisiko leicht minimiert werden: z.B. (Atemmasken, Schutzkleidung, Schuhe etc. besonders bei Erdarbeiten in Endemiegebieten).

Immunisation

Eine Impfung ist nicht möglich.

Meldepflicht

Es besteht keine Meldepflicht; Blastomyces dermatitidis gehört jedoch zur Risikogruppe 3!


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS