Bilharziose (Schistosomiasis)

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht



Synonym(a)

Schistosomiasis

Englischer Begriff: Bilharziosis, schistosomiasis

Erreger

Schistosoma mansoni, Sch. haematobium, Sch. japonicum, Sch. mekongi, Sch. intercalatum

Verbreitung

Sch. mansoni: Afrika, arabische Halbinsel, Mittel- und Südamerika, Karibik
Sch. haematobium: Afrika, arabische Halbinsel, Naher Osten
Sch. japonicum: Süd-Ost-Asien, Philippinen
Sch. mekongi: Süd-Ost-Asien, Mekongdelta
Sch. intercalatum: West- und Zentralafrika

Übertragung

Zerkarien dringen bei Süßwasserkontakt durch die Haut in den Körper ein. Bei Trinken von verunreinigtem Wasser erfolgt die Aufnahme über die Schleimhaut.

Inkubationszeit

Sch. mansoni: 2 - 3 Wochen
Sch. haematobium: 2 - 24 Monate
Sch. intercalatum: 4 - 7 Wochen
Sch. japonicum: 1 - 3 Wochen

Präpatenz

Sch. mansoni: 4-7 Wochen
Sch. haematobium: 4-12 Wochen
Sch. intercalatum: 6 - 8 Wochen
Sch. japonicum: 4 - 5 Wochen

Patenz

5 - 25 Jahre

Symptomatik

Darmbilharziose (Sch. mansoni, Sch. japonicum, Sch. mekongi und Sch. intercalatum): Diarrhoe, okkulte Blutungen, exsudative Enteropathie, fibrotische Wandverdickungen mit Motilitätsstörungen und Bildung von Pseudotumoren.

Blasenbilharziose (Sch. haematobium, Sch. japonicum): Dysurie, Pollakisurie und Hämaturie. Ureterstenose mit nachfolgender Superinfektion, aufsteigende Nierenparenchymschädigung.

Lungenbilharziose (Sch. mansoni u. Sch. haematobium): Bildung von Pseudotuberkeln um die Eier, Endarteriitis, Nekrose der Lungenarteriolen, Dyspnoe, Herzbeschwerden

Die Schistosomendermatitis ist ein stark juckendes papulöses Exanthem. Sie wird durch die Zerkarien bei der Hautpenetration verursacht. Insbesondere bei Infektion mit Sch. japonicum geht sie mit allergischen Allgemeinsymptomen einher (Katayama-Syndrom).

Katayama-Syndrom (auch Schneckenfieber) bei Heranreifung in der Lunge mit Fieber, Oberbauchschmerzen, Hepatosplenomegalie, Abgeschlagenheit, trockener Husten, breiiger Durchfall, Leukozytose mit Eosinophilie (10 - 70%). Bei cerebraler Beteiligung auch letaler Ausgang möglich.

Komplikationen

Die Blasenbilharziose ist eine Präkanzerose des Harnblasenkarzinoms. Die Darmbilharziose ist eine Präkanzerose des Coloncarcinoms. Die Lungenbilharziose kann zu pulmonaler Hypertension und Cor pulmonale führen.

Prognose

Bei Therapie im Frühstadium resultiert die Restitutio ad integrum. Ohne Therapie ist die Bilharziose eine Präkanzerose.

Diagnostik

Blut: Bechleunigte BSG, Leukozytose, Eosinophilie, Antikörpernachweis, bei frischer Infektion Zerkarienantigen im Serum
Stuhl: Mikroskopischer Nachweis der Eier nach Sedimentationsverfahren
Urin: Mikroskopischer Nachweis im Sediment, bei geringer Parasitendichte aus dem Sammelurin
Biopsie: Material aus der Cystoskopie oder der Rektoskopie

Differentialdiagnose

Amöbenleberabszeß, Brucellose, Malaria, Miliartuberculose, Typhus, viscerale Leishmaniose und Wurmerkrankungen

Therapie

Praziquantel ist Mittel der Wahl. Metrifonat wirkt ausschließlich gegen Sch. haematobium, Oxamniquin nur gegen Sch. mansoni.

Prophylaxe

In Endemiegebieten sollte Kontakt mit Süßwasser vermieden werden. Wasser soll vor Aufnahme gereinigt werden.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS