Ciguatera

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patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Krankheitsnamen:
Ciguatera (CFP, Ciguatera Fish Poisoning), Ciguatera Fischvergiftung

Erreger

Toxinproduzenten sind Algen (Dinoflagellaten): z.B. Gambierdiscus toxicus, Prorocentrum sp., Ostreopsis sp., Coolia monotis, Thecadinium sp. und Amphidinium carterae. Toxine sind das wasserlösliche Maitotoxin, das fettlösliche Ciguatoxin, Scaritoxin, Ocadasäure und Palytoxin.

Verbreitung

Karibik und Indopazifik, aber auch Hawaii, Florida und Australien sind Verbreitungsgebiete.

Entwicklungszyklus:
Die Algen-Toxine sind Nervengifte. Pflanzenfressende tropische Korallenriffe bewohnende Fische nehmen das Gift mit der Nahrung auf. Raubfische, die diese kontaminierten Fische fressen, entwickeln dann ebenfalls toxische Wirkungen. Die Ciguatera Vergiftung führt zu einer zweiphasigen kardiovasculären Antwort mit Hypotension und Bradykardie gefolgt von Hypertension und Tachykardie.

Übertragung

Verzehr von Fischen, die in den Korallenriffen tropischer Gewässer leben: z.B. Barrakudas (barracudas), Doktorfische (surgeonfishes), Makrelen (mackerels), Muränen (morays), Drückerfische (triggerfish), Papageienfische (parrotfishes), Schnapper (snappers), Squirrelfische (soldierfisch), Stachelmakrelen (kingfishes oder jacks), Tunfische (tunas), Lippfische (wrasses) und Zackenbarsche (groupers oder seabasses). Große Raubfische und innere Organe (Leber, Gonaden) sind besonders stark kontaminiert.

Inkubationszeit

Wenige Stunden nach dem Verzehr von Fisch, spätestens 72 Stunden danach.

Symptomatik

Nach dem Verzehr entsprechender Fische treten gastrointestinale, kardiovaskuläre Symptome, sowie neurologische Dysfunktionen auf. Die Symptome können in Abhängigkeit von der geographischen Region und der Art des Toxins stark variieren. Beispielsweise ist die Ciguatera in Polynesien häufig durch neurologische Symptome dominiert (90 % der Patienten haben Paresthesie und Dysesthesie), wohingegen in der Karibik mehr gastrointestinale (und kardiovaskuläre) Symptome dominieren. Leitsymptom ist das umgekehrte (inverse) Temperaturempfinden (Dysästhesie). Weitere häufige Symptome sind Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen, Muskelschmerzen, Schmerzen beim Urinieren, Parästhesie, Herzrhythmusstörungen, Benommenheit, Angstgefühl, Transpiration, Taubheit und Kribbeln des Mundes, Geschmacks- und Geruchsstörungen sowie Pruritus und Digitae. Selten kommt es zu Paralysen und Todesfällen (7 % aller Fälle). Meist ist die Symptomatik nur gering ausgeprägt und verschwindet nach einigen Tagen. Die Rekonvaleszenz beim Auftreten neurologischer Symptome kann jedoch Wochen, Monate oder Jahre andauern. Vereinzelt treten chronische Schädigungen auf. In seltenen Fällen können betroffene Patienten auch noch nach mehreren Monaten Probleme bekommen, diese sind dann meist begründet im neuerlichen Essen von Fisch (unabhängig von Typ), durch Aufnahme von Koffein, oder Alkohol oder Nüssen.

Komplikationen

Die psychische Belastung der Betroffenen kann erheblich sein, häufig begleitet von reaktiven Depressionen und der Furcht vor Dauerschäden. Bei Schwangeren kann die Intoxikation zum Abort führen. Über die Muttermilch kann es auch zur Erkrankung des Neugeborenen kommen (Letalität 0,1 - 0,5 %).

Prognose

Trotz der teilweise fulminanten Primärsymptomatik ist die Prognose im allgemeinen gut. Todesfälle treten sehr selten auf und sind meist begründet in respiratorischen oder kardiovaskulären Störungen nach dem Genuss von besonders kontaminierten Fischteilen (z.B. Leber, Rogen und andere Innereien). Die Sterblichkeitsrate liegt zwischen 0.1 % und 12 % der gemeldeten Fälle.

Diagnostik

Es gibt keine klinischen Routinetests für die Untersuchung beim Menschen. Die Diagnose basiert hauptsächlich auf der Symptomatik und der Ernährungsgeschichte des Patienten. Der am meisten genutzte Maus-Bioassay Test kann nicht zwischen Ciguatoxin und Scaritoxin unterscheiden. Weitere Tests wurden in den letzten Jahren entwickelt (RIA, ELISA), sind jedoch noch nicht ausreichend für eine Routineanwendung in der Praxis.

Differentialdiagnose

Zur differentialdiagnostischen Abgrenzung ist auf eine sorgfältige Anamese zu achten (Beginn der Krankengeschichte mit Fischmahlzeit, Intoxikation oft von Gruppen, die am selben Mahl beteiligt waren). Vergiftungen mit anderen marinen Toxinen, besonders NSP und PSP. Es ist dabei hilfreich darauf zu achten, ob Fische oder Schalentiere gegessen wurden. Typ E Botulismus (meist assoziiert mit Räucherfisch). Eosinophile Meningitis aufgrund von Helmintheninfektion (z.B. Angiostrongylus cantonensis durch Essen roher Mollusken, Krabben o.a.). Vergiftungen mit Organophosphaten.

Therapie

Behandlung nur symptomatisch möglich. Schnelle Behandlung (innerhalb 24 h) mit Mannitol kann viele Symptome sehr schnell lindern [z.B. 1 gm/kg of 20% Mannitol mit einer Rate von 500 mL/h als Infusion (5% Dextrose in Ringers Lactat oder Salzlösung mit 30 mL/h)]. Gegengifte stehen bisher nicht zur Verfügung. Einige weitere Medikamente werden mit limitierten Resultaten eingesetzt: Vitamine, Antihistaminika, Anticholinesterase, Steroide und Antidepressiva. Atropin bei Bradykardie, Dopamin oder Kalzium Gluconat bei Schockgeschehen.

Prophylaxe

Verzicht auf den Verzehr von Rifffischen (besonders Raubfische, je größer, um so gefährlicher). Dies gilt besonders für die inneren Organe (Leber und Gonaden). Es gibt keine äußerlich sichtbaren Hinweise auf die Unbedenklichkeit eines Fisches. Auch sollte beim Essen dieser Fische kein Alkohol oder koffeinhaltige Getränke getrunken und keine Nüsse gegessen werden. Wenn solche Fische gegessen werden, dann nur in kleinen Mengen!

Achtung

Da die Toxine hitzestabil sind, werden sie beim Kochen nicht zerstört. Opiate und Barbiturate sollten nicht mehr zur Behandlung verwandt werden (verursachen Hypotension und Opiate interagieren mit Maitotoxin).


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS