Nipah Virus Infektion

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


+ + + A K T U E L L E   M E L D U N G E N + + +

- 09.04.2015 - Bangladesch -

Krankheitsnamen:
Nipah Virus Infektion, Nipah Virus Enzephalitis, Porcine Respiratory and Encephalitis Syndrome (PRES), Barking Pig Syndrome (BPS)

Erreger

Nipah Virus (RNA Virus), Fam. Paramyxovirus, Unterfam. Paramyxovirinae, Genus Henipavirus (Megamyxovirus).

Verbreitung

Malaysia (Negeri Sembilan, Perak und Selangor), Südwesten von Bangladesch (Distrikte Chandpur, Faridpur, Goalando, Golpagonj, Jaipurhat (Joypurat, Joypurhat), Kushtia?, Manikganj, Manikgonj, Meherpur, Naogaon, Rajbari, Sadarthana, Tangail), Indien (Distrikte Nadia und Siliguri in West Bengal) und Singapur. In Kambodscha wurden die Viren bei gesunden Fledermäusen nachgewiesen. Die potenziellen Reservoirtiere (Pteropus, früchte-fressende Flughunde oder Fledermäuse) sind verbreitet vom westindischen Ozean (Mauritius, Madagaskar und Komoren) über die Sub-Himalajaregionen Pakistans und Indiens über Südostasien, die Philippinen, Indonesien, Neu Guinea, die südwest-pazifischen Inseln (bis zu den Cook Islands) bis nach Australien.

Entwicklungszyklus:
Virusreservoir sind Fledermäuse (Fruit bats) und “Fliegende Hunde” (flying foxes) der Gattung Pteropus. (Virusnachweis bisher im Blut und Urin von Pteropus giganteus, P. poliocephalus, P. scapulatus, P. alecto, P. conspicillatus und P. hyomelanus). Die Fledermäuse leben im Regenwald und ernähren sich von Baumfrüchten (z.B. jambu air, Jambu mawar, water apple, rose apple, mango). Durch El Nino kommt es in Teilen Südostasiens zu ungewöhnlichen Trockenheiten mit Walbränden und anderen Beeinträchtigungen, so dass den Fledermäusen die Nahrungsgrundlage genommen wird. Da die Tiere weite Distanzen überwinden können, suchen sie außerhalb ihres natürlichen Habitats nach Nahrung und gelangen so in die Nähe des Menschen (z.B. Obstplantagen) und leben unter anderem in Schweineställen und deren Nähe. Die Schweine werden mit den Viren infiziert, wenn sie mit Fledermauskot- und Urin kontaminiertes Futter aufnehmen und können dann die Infektion auf den Menschen übertragen. Auch der allgemeine Rückgang der Regenwälder führt zu den Wanderungen der Fledermäuse und treibt sie in die Nähe des Menschen. Klinische Manifestationen konnten bei den Fledermäusen nicht nachgewiesen werden. Es wird vermutet, dass nur tragende Weibchen die Viren beherbergen. Die Tiere sind von November bis April tragend und die bisher bekannten Ausbrüche mit humanen Erkrankungen traten von Januar bis Mai auf. Auch bei anderen Tieren (Katzen, Hunde, Ziegen, Pferde) konnten Antikörper nachgewiesen werden. Hierbei wurde jedoch keine Übertragung auf den Menschen nachgewiesen. Bei Schweinen rufen die Viren respiratorische Erkrankungen mit hohen Infektionsraten aber gering ausgeprägter Symptomatik hervor, wohingegen es beim Menschen meist zu einer Enzephalitis und selten zu einer atypischen Lungenentzündung kommt.

Übertragung

Bisher bekannt: durch engen Kontakt zu Schweinen (zu infizierten Körperflüssigkeiten und Geweben, z.B. bei Stallarbeiten, Schlachtung etc.), durch den Kontakt zu und Verzehr von Baumfrüchten, die mit Körperausscheidungen (Speichel, Urin, Kot) infizierter Fledermäuse kontaminiert sind, durch das Trinken von Saft, der aus solchen Früchten hergestellt wird und auch von Mensch zu Mensch durch respiratorische Sekrete bei engem Kontakt.

Inkubationszeit

Wahrscheinlich 3 bis 18 Tage.

Symptomatik

Meist anfänglich hohes Fieber mit grippeähnlichen Beschwerden, wie Husten, Atemproblemen, Kopfschmerzen und Erbrechen. Im weiteren Verlauf entwickelt sich häufig eine Enzephalitis mit neurologischen Symptomen wie Schwindel, Desorientierung, Krämpfen, Myalgien, Bewusstseinseintrübung bis hin zum Koma. In einigen Fälle auch nur leichter bzw. inapparenter Verlauf. Wenige Patienten entwickelten atypische Lungenentzündungen, wie z.B. akutes respiratorisches Distress Syndrom (ARDS) wobei sich beim Röntgenbild der Lunge bilaterale Infiltrate zeigten.

Komplikationen

Oft tritt bei der Enzephalitis Coma auf, wobei dies meist zum Tode führt. Viele der Patienten, die eine Enzephalitis entwickelten, behalten dauerhafte Nervenschädigungen zurück.

Prognose

Die Sterblichkeitsrate liegt bei 40 bis mehr als 75 %.

Diagnostik

Serologische Diagnose durch IgG und IgM Antikörpernachweis aus Serum, Blut oder Cerebrospinalflüssigkeit (CSF) durch indirekten ELISA (enzyme linked immunosorbent assay). Direktnachweis ist durch Virusisolation und Elektronenmikroskopie möglich. Virus RNA Nachweis kann mittels RT-PCR (reverse transcriptase polymerase chain reaction) durchgeführt werden.

Differentialdiagnose

Besonders Japanische Enzephalitis. Weitere: Meningokokken-Meningitis, Dengue-Fieber und andere Enzephalitis-Erkrankungen.

Therapie

Die Therapie erfolgt supportiv und symptomatisch. Ribavirin erwies sich in vitro als effektiv gegen die Viren, jedoch gibt es nicht genug Daten, um eine Anwendung zu empfehlen.

Prophylaxe

Für Reisende in Endemiegebieten: Vermeiden von Kontakt zu Tieren und deren Körperausscheidungen, häufiges Händewaschen und strikte Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene. Verzicht auf den Verzehr ungewaschener oder eventuell durch Tiere angebissene Früchte und Verzicht auf das Trinken selbst zubereiteter Säfte.
Für medizinisches oder Laborpersonal: Die Viren sind in der Umwelt nicht sehr stabil, sie werden durch viele Detergenzien wirksam abgetötet. Es gelten die üblichen Sicherheitsmaßnahmen zum Infektionsschutz wie beispielsweise Handschuhe und Atemmaske tragen, Augenschutz, Benutzung von Detergenzien, Patientenisolierung.

Immunisation

Eine Impfung gibt es nicht.

Achtung

Das Nipah Virus ist nach internationalen Bestimmungen der höchsten Sicherheitsstufe zugeordnet worden (biosecurity level BSL4).


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS