Ehrlichiose

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patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Krankheitsnamen:
Ehrlichiose (Ehrlichiosis, human Ehrlichiosis),
Humane monozytäre Ehrlichiose (HME, human monocytic ehrlichiosis).

Erreger

Gramnegative Bakterien der Familie Anaplasmataceae (früher: Rickettsiaceae): Ehrlichia chaffeensis (HME).
Früher zählten auch Ehrlichia phagocytophilia und Ehrlichia equi (jetzt zusammengefasst zu Anaplasma phagocytophilum: Humane Granulozytäre Anaplasmose (HGA), auch bekannt als Humane Granulozytäre Ehrlichiose (HGE)) und Ehrlichia sennetsu (jetzt Neorickettsia sennetsu: Sennetsu Fieber) zu den Erregern von Erlichiosen, wurden duch neue taxonomische Untersuchungen nun aber in andere Gattungen derselben Familie gestellt.

Verbreitung

HME: Süden und Südosten der USA, Mexiko, Mali, in Europa sporadisch auf der Iberischen Halbinsel.

Entwicklungszyklus:
Ehrlichen gehören (mit Anaplasma sp. und Neorickettsia sp.) zu einer Gruppe von Bakterien, die klinisch ähnliche Erkrankungen hervorrufen, sich epidemiologisch und ätiologisch jedoch unterscheiden. Die Erreger verhalten sich opportunistisch. Die Pathogenese ist noch nicht im einzelnen aufgeklärt. Die Erreger sind obligat an ein intrazelluläres Wachstum (speziell in verschiedenen Leukozytenfraktionen) gebunden und bilden dort intrazytoplasmatische Einschlusskörperchen, die nach Giemsafärbung in maulbeerartiger Lagerung (sogenannte Morulae) lichtmikroskopisch nachweisbar werden.

Übertragung

Generell durch verschiedene Zecken. Übertragung von Mensch zu Mensch unbekannt. Ehrlichia chaffeensis hauptsächlich durch Amblyomma americanum, Dermacentor variabilis und
Dermacentor occidentalis.

Inkubationszeit

2 Tage bis 4 Wochen (Median 6-11 Tage)

Symptomatik

Das klinische Bild der humanen monozytären Ehrlichiose (HME) und der humanen granulozytären Anaplasmose (HGA) ist ähnlich. Die meisten Infektionen (67 bis 75 %) verlaufen asymptomatisch. Von einem symptomatischen Verlauf, der mild, schwer oder fatal sein kann, sind vor allem ältere Personen und Patienten mit schweren Grunderkrankungen und/oder Immunsuppression (HIV, Zustand nach Organtransplantation, hochdosierte Corticosteroidtherapie) betroffen. Die Hälfte (40 bis 60 %) der symptomatisch erkrankten Patienten werden (vorübergehend) hospitalisiert.
Am häufigsten (über 80 %) berichten Patienten von (in der Regel hohem) Fieber, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Schweißausbrüchen, Rücken-, Gelenk-, Muskel- und meist starken Kopfschmerzen. Oft klagen betroffene Personen auch über gastrointestinale Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Eine Lungenbeteiligung in Form einer interstitiellen Pneumonie mit unproduktivem Husten findet sich bei circa einem Drittel aller Patienten. Exantheme (makulo-papuls oder petechial) sind eher die Ausnahme und finden sich vor allem bei Kindern mit HME. Die Erkrankung kann infolge von schweren Komplikationen letal enden.

Komplikationen

Begleithepatitis, interstitielle Nephritis, Enzephalitis, Lungenbeteiligung u.a.

Prognose

Bei frühzeitiger Therapie gut. Sterblichkeit 2 bis 5 %.
ältere und immunsupprimierte Personen sind mehr gefährdet.

Diagnostik

Klinische Verdachtsdiagnose aufgrund der Vielgestaltigkeit meist schwierig, anamnestischer Hinweis auf Zeckenstich wichtig. Ausschlag oder Examthem nicht immer vorhanden.
Relativ charakteristisch sind eine Thrombozytopenie (oft < 100 x 109 pro Liter) und/oder eine Leukopenie (< 3 x 109 pro Liter) oder Panzytopenie. Häufig findet sich auch eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins, der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) sowie der Lebertransaminasen (GOT, GPT).
Der Nachweis von intrazytoplasmatischen Ehrlichia-Einschlusskörperchen (Morulae) in Monozyten beziehungsweise Granulozyten kann durch einfache Giemsa-Färbung eines peripheren Blut- oder Knochenmarkausstrichs oder buffy coat (Leukozytenfraktion des Blutes) erfolgen.
Dieser Test erfordert die sorgfältige Durchmusterung von möglichst 800 bis 1 000 Leukozyten. Für den Nachweis von E. chaffeensis ist er sehr insensitiv (Entdeckung von Morulae bei nur circa einem Prozent aller HME-Patienten gegenüber 20 bis 80 % aller HGE-Patienten). Die Sensitivität kann durch parallele Durchführung einer Polymerasekettenreaktion (PCR) (aus EDTA-Blut (Sensitivität: 79 bis 100 Prozent für eine akute E.-chaffeensis-Infektion) und Anzucht der Ehrlichien in Zellkultur (Goldstandard) erhöht werden. Das letztgenannte Verfahren ist arbeitsintensiv und zeitaufwendig und wird daher nur in wenigen Laboratorien durchgeführt.
Die Serologie ist zur Diagnose einer akuten Ehrlichiose ungeeignet, da die meisten (55 bis 78 %) Patienten diagnostisch verwertbare Antikörper-Titer erst ein bis vier Wochen nach Krankheitsbeginn entwickeln und diese Antikörper dann oft über mehrere Jahre persistieren. Zur nachträglichen diagnostischen Bestätigung einer Ehrlichiose gilt die Serologie jedoch als sensitivste Methode. Daher sollte immer auch ein Akutphase-Serum zum Zeitpunkt der akuten Infektion und ein Rekonvaleszenz-Serum drei bis sechs Wochen später auf Ehrlichien-Antikörper untersucht werden. Als positiver Testausfall wird eine Serokonversion (Titer > 1:64), ein vierfacher Titeranstieg innerhalb von 10 bis 14 Tagen oder ein einzelner hoher Serum-Antikörpertiter (Titer > 1:128) bei einem Patienten mit entsprechender Klinik gewertet. Die serologische Reaktion kann bei frühzeitigem Therapiebeginn oder bei Immunsuppression ausbleiben. Kreuzreaktionen zwischen den verschiedenen Genogruppen fallen bei Verwendung von HGE- beziehungsweise E.-chaffeensis-infizierten Zellen für den Immunfluoreszenztest (IFT) (Abbildung) meist in den unspezifischen Titerbereich von 1:10 bis 1:40.

Differentialdiagnose

Lyme-Borreliose, Q-Fieber, Leptospirose, Tularämie, Rocky Mountain Spotted Fever, Brucellose, Rückfallfieber, Babesiose, Typhus, Paratyphus, virale Infektionen (zum Beispiel FSME, Influenza), Autoimmunerkrankungen und Leukmien. Bei einer akuten fieberhaften Erkrankung mit Leukopenie und Thrombozytopenie sowie Zeichen einer gestörten Leberfunktion im zeitlichen Zusammenhang mit einem Zeckenstich ist auch an eine Ehrlichiose, speziell die Humane granulozytäre Anaplasmose, zu denken. Möglicherweise kann so auch ein Teil der sogenannten seronegativen Lyme-Borreliosen geklärt werden.

Therapie

Wirksam sind Medikamente aus der Tetracyclin-Gruppe z.B. Doxycyclin (wesentlich ist, dass sie zellgängig sind). Behandlung möglichst über 10-14 Tage, bis mindestens 3 Tage nach Entfieberung. Neuere Fluoroquinolone und Rifampicin bieten offensichtlich weitere therapeutische Möglichkeiten, klinische Studien stehen bisher aus. Betalaktam-Antibiotika bei Ehrlichiose unwirksam.

Prophylaxe

Expositionsprophylaxe (Vermeidung von Zeckenstichen).

Immunisation

Eine Impfung gibt es nicht.

Achtung

Trimethoprim-Sulfamethoxazol ist gelegentlich mit fulminanten Ehrlichiosen bei Jugendlichen verbunden. Assoziationen von Sulfa-Medikamenten und schweren Verläufen von Rickettsiosen, z.B. RMSF, Mediterranean Spotted Fever, wurden in der Vergangenheit berichtet. Es ist bekannt, dass das RMSF schwerer verläuft bei Gabe von Sulfonamiden. Die Effekte scheinen in einem Zusammenhang mit dem Para-Amino Benzoe-Säure Metabolismus zu stehen. Dies könnte eventuell auch bei Ehrlichiosen existieren.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS