Listeriose

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Listeriose (syn. Granulomatosis infantiseptica)

Erreger

Listeria monocytogenes: es handelt sich um ein grampositives, nicht sporenbildendes, bewegliches, peritrich begeißeltes, mikroaerophiles, ß-hämolysierendes Stäbchen ohne Kapsel.

Verbreitung

weltweit - von den sieben Hauptserotypen erzeugen die Typen 4B, 1B und 1A in den USA die meisten Erkrankungen. Die Inzidenz liegt bei Neugeborenen und bei Personen älter als 40 Jahre sowie in den Monaten Juli bis August am höchsten.

Übertragung

Zoonose - durch den Verzehr von Säugetieren (Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Nager), Vögeln und Krustentieren. Auch Spinnen können als Reservoir und Überträger fungieren. Weiteres Vorkommen in Silofutter und Erdreich. Die Infektion erfolgt entweder über kontaminierte Milch oder deren Produkte (z.B. Käse), rohes Fleisch oder direkten Kontakt ante bzw. intra partum. Besonders exponiert sind Tierärzte, Fleischer (Abort bei infizierten Haustieren und Schlachten infizierter Nutztiere). Bei besonderer Disposition (Rekonvaleszenz, Schwangerschaft, Immunschwäche) kann es zur Manifestation kommen. Häufiger und gefährlicher ist die diaplazentare Übertragung von infizierten Schwangeren auf das Kind in der letzten Graviditätswoche mit der Folge einer Fötopathie. Symptome: knötchenförmige Effloreszenzen der Haut, Meningoenzephalitis, meningitische Zeichen, Ateminsuffizienz bis zum Atemstillstand, Hepatosplenomegalie, evtl. Icterus gravis prolongatus.

Inkubationszeit

nicht exakt angebbar, je nach den Umständen wenige Tage bis zu einigen Wochen. Eine eitrige Meningitis kann bei Neugeborenen innerhalb 8-10 Tagen auftreten. Die Listeriose kann aber auch häufig als inapparente Infektion auftreten.

Symptomatik

Bei Erwachsenen ist die Meningitis die häufigste Form der Listeriose. In 20% der klinischen Fälle kommen diffuse Enzephalitis und Hirnabszesse vor. Eine Endokarditis ist selten, ebenso eine typhusähnliche Listeriose mit Bakteriämie und hohem Fieber ohne lokale Symptome und Befunde. Die okuloglanduläre Form mit Ophthalmitis und regionaler Beteiligung der Lymphknoten ist Folge einer Ansteckung über die Konjunktiven und kann in eine Bakteriämie sowie eine Meningitis übergehen. Bei Infektion im Mutterleib kommt es zu einer hämatogenen Aussaat (Sepsis) und evtl. Frühtot, Tot- oder Frühgeburt.

Diagnostik

Grampräparat, Kultur, Serologie (signifikanter Titeranstieg) - Listerieninfektionen lassen sich klinisch nicht diagnostizieren, d.h. Hinweis an das Labor wegen Einbeziehung in die Untersuchung, da der Erreger mit diphtheroiden Keimen leicht zu verwechseln ist. Bei allen Listerieninfektionen erreichen die Titer nach ca. 2-4 Wochen ihr Maximum.

Therapie

Bei der Meningitis Erwachsener wird Penizillin G (75-100000 IE/kg i.v. in 4-stündigem Abstand) über 10-14 Tage nach der Entfieberung gegeben oder mit Chloramphenicol behandelt. Bei Endokarditis und typhusähnlicher Listeriose werden Penizillin G (Dosis s.o.) und Tobramycin (1,7 mg i.v. alle 8 h) bis vier Wochen nach Entfieberung verabreicht. Die okuloglanduläre Form wird mit Erythromycin (30 mg/kg/Tag, aufgeteilt in 4 Einzeldosen, alle 6 h) bis 1 Woche nach der Entfieberung behandelt. Bei Penizillinallergie ist die Behandlung mit Erythromycin durchzuführen. Bei schweren Infektionen ist das Mittel der Wahl Ampicillin, auch die Kombination mit einem Aminoglykosid ist synergistisch wirksam und bei schwerwiegenden Infektionen empfehlenswert.

Prophylaxe

die einzige Prophylaxe für das Kind ist die Erkennung einer Listeriose in der Schwangerschaft und die zielgerichtete Behandlung, ansonsten Nahrungsmittelhygiene beachten (besonders abwehrgeschwächte, d.h. immunkompromittierte Patienten)

Immunisation

keine

Meldepflicht

Erkrankung und Tod an konnataler Listeriose, in einigen Bundesländern besteht unabhängig von der generellen Meldepflicht für bakterielle Meningitiden die Vorschrift der Meldung der Listerien-Meningitiden.

Achtung

Signifikant könnten die Vorerkrankungen bei 25% der Listeriosepatienten (z.B. Zirrhose, Lymphome und solide Tumoren) sein. Patienten mit Immunschwäche, sowohl der natürlich erworbenen (AIDS), als auch der iatrogen im Laufe eine zytostatischen Therapie sind erhöht anfällig für die Listeriose. Hohe Letalität (etwa 50%), häufig Spätschäden (geistige Entwicklungsstörungen). Die Prognose hängt in hohem Maße von der frühzeitigen Diagnose durch den Erregernachweis ab.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS