Kontaktdermatitis, toxisch

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht



Synonym(a)

Toxische Dermatitis bedingt durch Arthropoden

Erreger

Z.B. Paederidae (z.B. Blasenkäfer), Oedemeridae, Meloidae. - Bestimmte Formen toxischer Dermatitiden werden durch Arthropoden, hier exemplarisch durch Paederus sabaeus der Art Paederus, Familie Staphylinidae (Kurzflügler), dem sogenannten Blasenkäfer, verursacht. In weiten Teilen südlich der Sahara und im südlichen Afrika kam es 1998 zu einem epidemischen Auftreten des ubiquitär verbreiteten Käfers.

Verbreitung

Die Gattung Paederus umfaßt etwa 500 Arten, von denen ca. 30 medizinisch relevant sind - in West- und Zentralafrika Paederus sabaeus, in Ostafrika Paederus eximus.

Übertragung

Er lebt als Jäger kleinerer Insekten im feuchten Lebensräumen und an Wasserläufen, ist ein nachtaktives Insekt und wird durch das Licht (besonders Neon-Röhren) aktiviert, sitzt an Mauern und Decken (Terrassen) oder läßt sich von der Decke fallen.

Symptomatik

Ursächlich für die toxische Dermatitis sind die giftigen Alkaloide (Pederin, Pseudopederin) aus der Hämolymphe des Käfers. Bereits bei einer Konzentration von 1 - 1,5 ng/ml kommt es in vitro zu einer Hemmung des Zellwachstums, andere Erscheinungen sind sub- und epidermale Blasenbildung, Nekrosen und eine Akantholyse. Der bloße Kontakt allein führt nicht zu Hautveränderungen, sehr wohl jedoch unachtsames Zerdrücken und Quetschen durch Wischbewegungen. Nach einer Zeit von 12 - 24 h kommt es zu einem Erythem, nach 1 - 2 Tagen zu Bläschenbildung (seröse Flüssigkeit) mit deutlich gerötetem Rand, evtl. Konfluation und Intensivierung der Reaktion und nach 5 - 8 Tagen zur Desquamation. Die Läsion erinnert an eine chemische oder thermische Verbrennung. Die Vesiculae trocknen aus und die darüber liegende Haut löst sich ab, Restsymptome sind ein gerötetes Areal sowie eine über längere Zeit bestehen bleibende Hyperpigmentierung. Prädilektionsstellen ist die Haut von Nacken, Gesicht, bes. am Auge (Nairobi-Eye) und das Handgelenk (Wischbewegungen). Erblindungen wurden nicht bekannt, Allgemeinreaktionen (Cephalgie, Arthralgien, Abgeschlagenheit) sind die Ausnahme, Kratzen führt evtl. zur Narbenbildung. - Käfer der Familien der Oedemeridae und Meloidae verursachen Erscheinungen mit nahezu gleichen Erscheinungsformen (grobblasigere Veränderungen) durch das Gift Cantharidin, die Latenzzeit bis zum auftreten erster Reaktionen ist kürzer.

Diagnostik

Zu achten ist auf streifige Zeichnungen durch Wischbewegungen des Betroffenen. Auch die Tatsache der Rückkehr aus den Tropen während der Regenzeit kann ein Hinweis sein. Differentialdiagnostisch ist an ein vesikuläres Stadium des Herpes zoster oder des Herpes simplex zu denken, ebenso an eine allergische Kontaktdermatitis

Therapie

Behandelt werden die Hautveränderungen allgemein mit topischen Kortikoiden, bei zusätzlichen Zeichen einer bakteriellen Infektion in Kombination mit topischen Antibiotika als Cremes, Spray oder Lotion, in Teilen Afrikas ausnahmsweise auch mit Zinkoxyd oder Silbersulphadiazin, jedoch keine Fettsalben (vermutete Fettlöslichkeit des Toxins!). Zusatzmedikation sind Antihistaminika lokal, bei periorbitaler Läsion Corticoid-Antibiotika-Lotion und bei Sekundärinfektion erfolgt orale Antibiotikagabe.

Prophylaxe

Bereich von Neonlampen meiden, Käfer von der Haut mit den Fingern wegschnipsen oder von den Extremitäten abschütteln, bereits auf der Haut haftende Hämolymphe sofort mit Wasser uns Seife entfernen.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS