Opisthorchiasis/Clonorchiasis

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Opisthorchiasis, Opisthorchiose, (Clonorchiasis, Clonorchiose), Katzenleberegel-Infektion, Sibirische Leberegel-Infektion, Chinesische Leberegel-Infektion, Siberian liver fluke disease, Cat liver fluke disease, Chinese liver fluke disease.

Erreger

Opisthorchis viverrini: Südostasiatischer Leberegel (Southeast Asian liver fluke),
Opisthorchis tenuicollis (O. felineus): Katzen- oder Sibirischer Leberegel (Cat liver fluke),
Opisthorchis sinensis (Clonorchis sinensis): Chinesischer Leberegel (Chinese liver fluke).

Verbreitung

O. tenuicollis: von Mittel- über Osteuropa (z.B. Polen) bis nach Südostasien, besonders häufig in West- und Zentral-Sibirien und anderen Gebieten der früheren Sowjetunion (z.B. Weißrussland, Ukraine, Kasachstan), fehlt im Norden und im nordöstlichen Fernen Osten Russlands. O. viverrini kommt endemisch in Thailand, Kambodscha und Laos vor. O. sinensis kommt in Ostasien und Südostasien in den Ländern China, Taiwan, Hongkong, Vietnam, Japan und Korea vor. Nur der Nordosten Chinas ist frei von O. sinensis.

Entwicklungszyklus:
Die adulten Egel leben in Fisch fressenden Säugetieren (Endwirte z.B. Katzen, Hunde, Ratten, Füchse, Menschen etc.). Die voll entwickelten, gelblichen und gedeckelten Eier werden mit dem Stuhl ausgeschieden und bei Gelegenheit von einer Süßwasserschnecke (erster Zwischenwirt) aufgenommen. Erste Zwischenwirte sind verschiedene Schnecken (z.B. Codiella (Bithynia) inflata, C. troscheli, C. siamensis, Bulimus tentaculatus (Syn.: Bithynia leachi), B. fuchsiana, Alocima longicornis, Hua ningpoensis und Parafossarulus manchouricus. In der Schnecke entlassen die Eier Mirazidien (Flimmerlaven), welche im Verdauungstrakt der Schnecke mehrere asexuelle Entwicklungsstadien (Sporozysten, Redien, Zerkarien) durchlaufen. Hierbei werden bis zu Tausende von schwanztragenden und frei schwimmenden Zerkarien produziert. Die Zerkarien verlassen die Schnecke und dringen in einen Fisch (zweiter Zwischenwirt) ein, wo sie sich als Metazerkarien im Muskelfleisch oder unter den Schuppen enzystieren. Zweiter Zwischenwirt sind oft Cyprinidae (Karpfenartige), aber auch Arten aus anderen Gruppen, z.B. Acanthorhodeus taenianalis, Acheilognathus limbata, Carassius sp., Ctenopharyngodon idellus, Cyprinus barbus, C. carpio, Gnathopogon atromaculatus, Hemibarbus labeo, Idus melanotus, Leucaspius delineatus, L. idus, L. leuciscus, Paracheilognathus rhombea, Pseudogobio esocinus, Pseudorasbora parva, Pungtungia herzi, Rutilus rutilus und Sarcocheilichthys sinensis. Der Endwirt infiziert sich durch den Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Metazerkarien-haltigem Fisch, der oft aus Flüssen stammt (roh, geräuchert, gesalzen, eingefroren etc.). Nach der Aufnahme der Metazerkarien exzystieren diese im Duodenum und gelangen durch die Vatersche Ampulle in die Gallengänge und Pankreas (selten auch in die Gallenblase), wo sie sich an der Schleimhaut anheften und in adulte Würmer entwickeln. Dort legen sie dann nach drei bis vier Wochen die ersten Eier, die über den Gallenfluss in den Darm gelangen und mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Die adulten Tiere sind 5-10 mm lang und 1-2 mm breit (O. viverrini) bzw. 7-12 mm lang und 2-3 mm (O. tenuicollis) bzw. 10-25 mm lang und 3-5 mm breit (O. sinensis). Die Würmer sind Hermaphroditen (Zwitter), jedes einzelne ausgewachsene Individuum kann Einer produzieren.

Übertragung

Die Infektion erfolgt über den Verzehr von rohen oder nicht ausreichend erhitzten metazerkarienhaltigen Süßwasserfischen. Die Metazerkarien sind kleiner als 1 mm und damit mit bloßem Auge nicht erkennbar und finden sich unter den Schuppen und im Muskelfleisch der Fische. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.

Inkubationszeit

Kann unterschiedlich lang sein, meist jedoch 2 bis 4 Wochen

Präpatenz

In der Regel mindestens 4 Wochen

Patenz

20 bis 45 Jahre

Symptomatik

Die Ausprägung der Symptome ist abhängig von der Anzahl aufgenommener Metazerkarien bzw. der Anzahl adulter Würmer. In den meisten Fällen, besonders wenn Reisende betroffen sind, verursacht die Infektion keine Beschwerden, da der Befall meist gering ist und laufende Superinfektionen nach dem Verlassen der Endemiegebiete nicht stattfinden. Keine oder nur sehr leichte Symptome treten gewöhnlich bei Personen mit Infektionsraten von weniger als 100 Würmern auf. Deutliche Symptome entwickeln sich bei Infektionsraten von 100 bis 21 000 adulten Würmern. Akute Symptome sind je nach Ausprägung hohes Fieber, Unwohlsein, Anorexie, Durchfall, Darmträgheit, Verstopfung, Bauchschmerzen, Arthralgie, Lymphadenopathie, nesselartiger Hautauschlag und Gallenstau. Bei extremen Fällen können auch Tachykardie, Gewichtsverlust, Vergrößerung von Leber und Gallenblase auftreten. Subakute und chronische Symptome resultieren oft aus der chronischen Reizung der Gallenwege und können sein: Durchfall, Fibrosierung und Gallenabflussstörungen, eitrige Cholangitis, Gallensteine, Leberabszess, Hepatomegalie, Gelbsucht, zirrhotische Veränderungen, Ikterus, Cholangiokarzinome und Splenomegalie. Labordiagnostische Symptome sind: hohe Eosinophilie, Bilirubinwerte, Hohe Phosphatasewerte, erhöhte Serum Transaminase und geringes Serumalbumin. Eine Korrelation von Schwere der Symptome und der Anzahl ausgeschiedener Eier gibt es nicht.

Komplikationen

Treten meist bei dauerhaften und schweren Infektionen ohne medizinische Behandlung auf. Eine über Jahrzehnte andauernde Opisthorchiasis gilt als signifikanter Risikofaktor für das Entstehen von Gallenwegskarzinomen.

Prognose

Die Infektion führt in der Regel nicht zu Tod. Die Prognose ist gut, außer bei schweren unbehandelten Infektionen.

Diagnostik

Verzehr von Fisch in der Patientengeschichte beachten. Stuhluntersuchung durch mehrere Stuhlproben (Nachweis der Eier). Weniger als 100 Eier pro Gramm Stuhl sind meist leichtere Infektionen und mehr als 30 000 Eier pro Gramm Stuhl sind meist schwere Infektionen. Wenn im Stuhl keine Eier nachgewiesen werden, können diese durch Duodenaldrainage im Duodenalsekret nachgewiesen werden (notwendig, z.B. bei Verstopfung der Gallengänge, so dass keine Eier mehr in den Stuhl gelangen können). Alternativ auch indirekter Nachweis möglich durch radiologische Techniken, nicht invasive Ultrasonografie und Computertomografie. Immunologisch am besten geeignet sind ELISA-Verfahren.

Differentialdiagnose

Infektion mit anderen Trematoden (z.B. Fasciola hepatica, Metorchis conjunctus). Die drei verschiedenen Erreger der Opisthorchiasis haben gleiche Entwicklungszyklen, rufen gleiche klinische Symptome hervor und erfordern auch die gleiche Behandlung! Darüber hinaus sind die Eier von O. viverrini, O. tenuicollis und O. sinensis morphologisch sehr ähnlich, so dass sie kaum unterscheidbar sind.

Therapie

Üblicherweise wird mit Praziquantel behandelt (z.B. Biltricide®, Cesol®, Cysticide®), mit einer Dosis von 25 mg/kg Körpergewicht dreimal täglich. Stationärer Aufenthalt ist nicht notwendig, jedoch sollte Therapie durch einen Arzt überwacht werden, da es in einigen Fällen durch das Absterben der Leberegel in den Gallengängen zu Komplikationen kommen kann. Alternativ zu Praziquantel kann auch Albendazol zur Behandlung genutzt werden.

Prophylaxe

Verzicht auf den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Süßwasserfisch, besondere Hygiene bei der Zubereitung von Fisch und sanitäre Maßnahmen (z.B. Latrinenbau)

Immunisation

Eine Impfung gibt es nicht.

Meldepflicht

Es besteht keine Meldepflicht nach IfSG.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS