Psittakose

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patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Psittakose

psittacosis, parrot fever, ornithosis, Papageienkrankheit
avian chlamydiosis (AC) bei Infektion von Vögeln

Erreger

Bakterium Chlamydophila psittaci (syn.: Chlamydia psittaci, C. ornithosis), gehört zur Familie der Chlamydiaceae

Verbreitung

potentiell weltweit, vornehmlich an Orten, wo Handel mit Vögeln getrieben wird oder diese in grosser Zahl vorhanden sind oder gehalten werden

Entwicklungszyklus/Pathogenese: Das für die Infektionskrankheit Psittakose verantwortliche Bakterium Chlamydophila psittaci lebt obligat intrazellulär. Die Krankheit kann bei Vögeln (avian chlamydiosis) und beim Menschen auftreten. Es handelt sich um eine Zooanthroponose. Meist kommt die Kranheit bei Papageien, Rabenvögeln, Tauben und Truthähen vor. Aber auch viele andere Vögel können betroffen sein oder als Überträger fungieren. Bisher wurde der Erreger bei insgesamt 146 Vogelarten nachgewiesen. In seltenen Fällen können auch Säugetiere an Psittakose erkranken und diese auch auf den Menschen übertragen. Berichtet wurden Fälle bei Schafen, Ziegen, Rindern und sehr selten auch Katzen. Im Gegensatz zum Menschen kommte es bei diesen Tieren zu einer chronischen Infektion des Reproduktionstraktes, die zu Plazentaschäden und Fehlgeburten führen kann.
Die Kranheit kann beim Menschen 4 Verlaufsformen zeigen
1. Inapparente
2. Grippale: subfebrile Temperatur, Luftwegkatarrh, selten hochfebril mit Kopf- und Muskelschmerzen
3. Pulmonale: uncharakteristischer hochfebriler Beginn mit Husten Brustschmerzen, Bronchopneumonien mit protrahierten Infiltraten wechselnder Form und Lage, oft Bradykardie, Hypotonie, Leber-Milz-Vergrößerung wie die grippale mit sehr langwieriger Rekonvaleszenz
4. Typhöse Form: seltene Form, typhusabdom.-artiges Bild

Übertragung

Chlamydophila psittaci ist ein austrocknungsresistentes Bakterium. Es kann in diesem Zustand mehrere Monate überdauern. Die Übertragung von Vogel zu Vogel erfolgt über getrockneten Kot und Ausscheidungen der Nase.
Die Infektion des Menschen vollzieht sich in den meisten Fällen durch Inhalation des Erregers, wenn dieser in aerolisierter Form vorkommt. Dies ist häufig der Fall bei getrocknetem Vogelkot und respiratorischen Sekreten infizierter Vögel. Auch ein Mund-Schnabel-Kontakt und das Berühren des Gefieders infizierter Vögel ist ein möglicher Übertragungsweg.
Die Übertragung des Erregers von infizierten Säugetieren auf den Menschen erfolgt durch Berühren von Fruchtwasser, Geburtsflüssigkeiten und der Plazenta dieser Tiere.
Übertragungen von Mensch zu Mensch wurden noch nicht abschließend nachgewiesen, werden aber vermutet. Auch hier wird der Erreger in aerolisierter Form (meist aus respiratorischen Sekreten stammend) aufgenommen.
Besonders gefährdete Personen sind Schlachthausarbeiter, Beschäftigte in Vogelfarmen, Vogelbesitzer, Tierärzte und Veterinärmediziner, Laboranten, Beschäftigte in Vogelquarantänestationen, Vogelzüchter, Zoohandlungsarbeiter und andere Personen, die häufigen Kontakt mit Vögeln haben.

Prophylaxe

Personen, die zu einer der Risikogruppen gehören, sollten über die Natur der Krankheit ausführlich informiert werden. Angebracht ist das Tragen von Schutzkleidung und Schutzhandschuhen. Atemmasken sind nicht sehr effektiv, da die Erreger sehr klein sind (250 bis 300 nm). Ausscheidungen der Vögel sollten mit Detergenzien oder Wasser besprüht werden, um eine Aerolisation zu verhindern. Im Labor sollten risikobehaftete Arbeiten unter einer Abzugshaube, Sterilbox oder ähnlichem durchgeführt werden.
Das Kaufen oder Berühren von Vögeln, die Anzeichen von avian chlamydiosis (AC) zeigen (nasale Ausscheidungen, Durchfall, geringes Körpergewicht und allgemeine Schwäche), sollte unterbleiben. Neu erworbene Vögel und kranke Vögel sollten mindestens 30 Tage isoliert werden und bei Verdacht einem Tierarzt vorgestellt werden. Allgemeine Hygienebestimmungen in der Vogelzucht sind einzuhalten.
Chlamydophila psittaci reagiert gegenüber fast allen Desinfektionsmitteln und auch Hitze sehr empfindlich. Lediglich gegen Säuren und Alkalien ist das Bakterium resistent.

Inkubationszeit

5 bis 28 Tage

Symptomatik

Psittakose ist primär eine Lungenkrankheit, kann aber auch andere Organe befallen z.B. Leber, Herzklappen, Herzmuskel und das Gehirn. Die Breite reicht von inapparent bis zur systemischen Krankheit mit schwerer Lungenentzündung. Weniger als 1 % der Fälle enden tödlich.
Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, unproduktiver Husten, Schwächegefühl, Muskel- und Thoraxschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, unnatürliche Empfindsamkeit gegenüber Licht.

Diagnostik

Indirekt: Radiographischer Nachweis von alveolären und interstitiellen Infiltraten der Lunge, serologischer Antikörpernachweis mittels CF-Test, dieser ist aber nicht species-spezifisch innerhalb der Gattung Chlamydophila, Nachweis auf DNA-Ebene mittels PCR,
direkt: Isolation der Erreger aus Sputum, BAL oder bei starkem Befall aus dem Blut, Kultivierung nur durch wenige Labore möglich

Differentialdiagnose

Coxiella burnetii, Mycoplasma pneumoniae, andere Bakterien der Gattung Chlamydophila, Legionella species und respiratorische Viren wie Influenza

Therapie

Tetracyclin. Chlamydophila psittaci ist resistent gegen Penicillin.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS