Phaeohyphomykose

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Englisch: Phaeohyphomycosis

Erreger

Verschiedene Arten saprophytischer, opportunistisch lebender, pigmentierter Schwärzepilze (Dematiaceae), wie z. B. Alternaria, Aureobasidium pullulans, Bipolaris, Cladophialophora bantiana, Cladosporium, Coniothyrium fuckelii, Curvularia sp., Drechslera spicifera, Exophiala jeanselmei, E. spinifera, Exserohilum rostratum, Hormonema dematioides, Lasiodiplodia theobromae, Moniliella, Ochroconis gallonava, Phaeoannellomyces, Phialophora parasitica, P. repens, P. verrucosa, Scedosporium prolificans und Wangiella dermatitidis. Die häufigsten Erreger sind Exophiala jeanselmei, Scedosporium prolificans und Wangiella dermatitidis.

Verbreitung

Die Pilze kommen ubiquitär und kosmopolitisch weit verbreitet in der Umwelt vor (z.B. im Wald, besonders im Boden und in lebendem und totem Pflanzenmaterial). Die Erkrankung selbst ist nicht sehr häufig.

Entwicklungszyklus/Pathogenese:
Definition Phäohyphomykose: Heterogene Gruppe von superfiziellen und oder subkutanen Infektionen, die durch verschiedene Hyphen-bildende Schwärzepilze (Dematiaceae) hervorgerufen werden. Zur Phaeohyphomycose (pigmentierte Hyphen und/oder Hefe-ähnliche Zellen der Erreger im Gewebe) gehören alle „schwärzenden“ Pilzinfektionen (durch Pilze mit pigmentierten und septierten Hyphenwänden) außer der Chromoblastomykose und dem Mycetom (Madurafuß, Maduramykose) (auch pigmentierte Zellen, jedoch körnige und sklerotische Morphologie der Erreger im Gewebe). Die Phaeohyphomycose tritt beim Menschen, aber auch bei Hunden, Katzen, Pferden, Hühnern und Schildkröten auf. Der wichtigste Risikofaktor bezüglich der Phaeohyphomycose ist ein geschwächtes Immunsystem, selten können jedoch auch immunkompetente Menschen erkranken.
Die Phäohyphomykose kann anhand der betroffenen Körperregion eingeteilt werden:
1. Superfiziell (Hautinfektion): Nur Stratum corneum ist betroffen. Bei behaarten Regionen wachsen die Pilze am Haarschaft.
2. Kutan: Infektion betrifft Keratin-haltige Gewebe und führt zu starken Destruktionen.
3. Keratitis (Korneal): Läsionen an der Hornhaut durch traumatische Inokulation.
4. Subkutan: wahrscheinlich die häufigste Form, Läsionen durch traumatische Inokulation (Boden, Dornen, Splitter etc.), häufig Abszessbildung, meist einzelne Abszesse, selten multifokal.
5. Atmungstrakt (Nasal, Paranasal, Sinus, Pneumonie):
6. Andere (Gehirn, Peritoneal, Knochen), ungünstige Prognose, Zerebrale Phäohyphomykose tritt selten auf, meist bei immungeschwächten Menschen nach Inhalation von Konidien, selten auch bei gesunden Menschen beobachtet (z.B. durch Cladophialophora bantianahave).

Übertragung

Gewöhnlich als traumatische Inokulation über die Haut (Wundinfektion) mit verunreinigtem Pflanzenmaterial oder Boden, auch durch Organtransplantationen oder bei der Peritoneal-Dialyse bekannt.

Inkubationszeit

Nicht sicher bekannt, abhängig vom Erreger variabel, zwei Wochen bis mehrere Monate.

Symptomatik

Klinische Formen reichen von lokalen, einzelnen, superfiziellen Infektionen (Stratum corneum) bis zu subkutanen Zysten (meist einzeln) und Invasion des Gehirns. Multiple Läsionen sind selten. Die Infektionen zeichnen sich durch schwarze Verfärbungen des betroffenen Gewebes (Nekrosen) durch das Wachstum der schwarz bis schwarzbraun gefärbten Hyphen aus. Die Histopathologie ist sehr variabel und reicht von Hautreaktionen mit bewandeten Abszessen bis zur Aktiven Invasion der Haut durch Hyphen. Subkutan werden meist granulöse Läsionen mit einer zentralen Grube gebildet (Phaeomykotische Zyste). Läsionen sind meist an den Extremitäten lokalisiert.

Komplikationen

Sehr selten, Gehirnschäden z.B. bei zerebraler Phäohyphomykose.

Prognose

Gewöhnlich gut, schlechter bei Infektionen von Gehirn oder Knochen.

Diagnostik

Labordiagnosen (Mikroskop, Erregeranzucht, Histopathologie) an klinischem Material möglich (z.B. Haut, Sputum, Bronchialflüssigkeit, Zerebrospinal- und Pleuralflüssigkeit, Blut, Gewebsbiopsie).
Direkter Nachweis (Mikroskop) durch Untersuchung von Haut, Sputum, Bronchialflüssigkeit mit 10% KOH und Parker Färbung oder Calcofluor-White Färbung. Exsudate und Flüssigkeiten sollten zentrifugiert werden, Untersuchung des Sediments mit 10% KOH und Parker Färbung oder Calcofluor-White Färbung. Hautuntersuchungen mit HE-Färbung, PAS und Grocott-Methode (Grocott's Methenamin Silber GMS).
Vorhandensein von braun pigmentierten (schwärzenden), verzweigten, septierten Hyphen bei Patienten mit klinischen Symptomen ist signifikant. Direkter mikroskopischer Nachweis ist notwenig zur Abgrenzung zur Chromoblastomykose. Die Histopathologie kann sehr variabel sein, variiert von leichten Hautreaktionen, bewandeten Abszessen bis hin zu Invasion durch Hyphen. In den meisten Fällen reagieren die Hyphen positiv auf Fontana-Masson oder andere Melanin Färbungen.

Differentialdiagnose

Andere Hauterkrankungen, besonders wichtig ist die Abgrenzung zur Chromoblastomykose und zum Mycetom (Madurafuß, Maduramykose).

Therapie

In den meisten Fällen ist eine chirurgische Entfernung erfolgreich. Medikamente der Wahl (wenig Daten vorhanden) sind wohl Amphotericin B, 5-Fluorocytosin oder Itraconazol.

Prophylaxe

Verhinderung von Wundinfektionen, Schutzkleidung z.B. bei Gartenarbeit, Handschuhe etc.

Immunisation

Eine Impfung gibt es nicht.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS