PSP - Paralytic Shellfish Poisoning

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Krankheitsnamen:
(PSP – Paralytic Shellfish Poisoning) – PSP-Paralyse

Erreger

Hauptsächlich Saxitoxin, produziert von Dinoflagellaten des Salzwassers z.B. Alexandrium sp. (besonders Alexandrium catenella), Protogonyaulax tamarense (= Gonyaulax tamarensis) und Pyrodinium bahamense (Dinophyceae). 12 Toxine sind bekannt (Tetrahydropurine).

Verbreitung

Weltweit, Red Tide muss nicht immer vorausgehen!

Entwicklungszyklus:
Alle 12 bekannten Toxine sind hitze- und säurestabil, wirken auf Fische, Vögel und Säugetiere toxisch. Die orale lethale Dosis liegt bei 1 bis 4 mg abhängig von der Konstitution des Betroffenen. Saxitoxin wird schnell im Gastrointestinaltrakt absorbiert und mit dem Urin wieder ausgeschieden. Saxitoxin ist ein Guanidinium-Derivat und wirkt als Natrium Kanal Blocker und betrifft meist periphere Nerven und Muskelzellen. Es wird das Aktionspotential der Muskelzellen blockiert und es findet keine Depolarisation mehr statt.

Übertragung

Durch Verzehr von Muscheln (z.B. Miesmuscheln, Venusmuscheln, Austern) und anderen Schalentieren aus dem Meer. Auch bei Krabben, Fischen und Schlangen wurden die Toxine nachgewiesen.

Inkubationszeit

30 min bis zu zwei Stunden.

Symptomatik

Gastrointestinale and neurologische Symptome. Typische sind Kribbeln, Taubheit, Verlust der muskulären Kontrolle, Benommenheit, Somnolenz, Fieber, Hautausschlag, Anurie und Gangunsicherheit. Alkohol verstärkt die Effekte. Erstes Anzeichen ist ein Kribbeln im Mundbereich mit progressiver Taubheit, die sich auf Gesicht und Nacken ausbreitet. In schweren Fällen erfolgt Ausbreitung auf Extremitäten und Lunge und vollständige Paralyse und Atemstillstand innerhalb von 24 Stunden können auftreten. Weder Verlust des Bewusstseins noch der Reflexe tritt auf (Ausnahme ist in einigen Fällen der Pupillenreflex)! Nach 12 Stunden setzt meist Genesung ein und nach wenigen Tagen treten keine Symptome mehr auf.

Komplikationen

Vollständige Paralyse und Atemstillstand innerhalb von 24 Stunden.

Prognose

Sterblichkeit ohne Behandlung 75 % innerhalb 12 Stunden. Sterblichkeitsrate sonst im Durchschnitt 9 %, kann sie auch höher sein , besonders bei Kindern.

Diagnostik

Primär anhand klinischer Symptome. Genuss von Schalentieren in jüngster Vergangenheit (Red Tide muss nicht vorangegangen sein). Analyse der Mahlzeiten. Maus-Bio-Essay ist die meist genutzte Methode, kann jedoch nicht unterscheiden zwischen Tetrodotoxin und anderen PSP Toxinen. Für einige PSP Toxine Radioimmunoassays und ELISA’s. HPLC wurde für alle PSP Toxine entwickelt.

Differentialdiagnose

Im Gegensatz zur Tetrodotoxin-Vergiftung (Kugelfisch) tritt bei PSP selten Hypotonie auf. Bakterielle und virale Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes. Neurologisch ist von anderen marinen Toxinen zu unterscheiden z.B. NSP, Organophosphat-Pestizid Vergiftung.

Therapie

Ein Antitoxin ist nicht vorhanden. Hauptsächlich supportiv, künstliche Beatmung in schweren Fällen. Dekontamination mit Aktivkohle oder gelöstem Bikarbonat. Anticurare Drogen sind ineffektiv, jedoch sollen DL Amphetamine (Benzedrine) effektiv die Atmung unterstützen und die Genesungszeit verkürzen.

Prophylaxe

Weiträumiges Monitoring der Toxine von Austern, Jakobsmuscheln und Venusmuscheln und schnellem Abriegeln betroffener Gebiete. Monitoring von Algenblüten, Fisch- und Wasservögelsterben. Verzicht auf Verzehr von Schalentieren aus dem Meer. Warnungen der örtlichen Behörden beachten.

Achtung

Anticholinesterasen sind nicht zur Behandlung angezeigt! Toxine sind hitze- und säurestabil.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS