Vibriosen

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Krankheitsnamen:
Vibriose, Vibrionen-Infektion, Vibrio-Infektion, Vibrio-Gastroenteritis

Erreger

Bakterien der Gattung Vibrio, die nicht zu einer Cholera führen (alle außer V. cholerae non O1, non O139), Fam. Vibrionaceae, halophile (außer V. cholerae und V. mimicus), begeißelte, gramnegative, aerob, fakultativ anaerobe, gekrümmte Stäbchen, Sporen werden nicht gebildet, viele pathogene Arten, am bedeutendsten sind V. cholerae non O1, non O139, V. parahaemolyticus und V. vulnificus, weitere humanpathogene Arten sind z.B. V. alginolyticus, V. carchariae, V. cincinnatiensis, V. damselae, V. fischeri, V. fluvialis, V. furnissii, V. hollisae, V. metschnikovii und V. mimicus.

Verbreitung

Im Süß-, meist jedoch im Meer- oder Brackwasser wärmerer Klimazonen, die meisten Arten marin (halophil), optimale Bedingungen bei Temperaturen von über 20°C, in den letzten Jahren aufgrund der Erwärmung der Meere Ausbreitung nach Norden, Auftreten z.B. in Nordamerika, Japan und im Sommer in der Ostsee (Deutschland, Schweden, Dänemark).

Pathogenese:
Von vielen Vibrio-Arten gibt es nicht-toxische und toxische Stämme, wobei verschiedene Toxine und toxisch wirkende Enzyme gebildet werden können (Cytotoxin, Haemolysin, Protease, Lipase, DNAse, Cytolysin, Protease, endotoxische Lipopolysaccharide). Beim Menschen führen sie z.B. zu Darminfektionen, Wundinfektionen, Ohr- und Augeninfektionen.
Orale Infektionen (Gastroenteritis durch Infektion über Wasser, Meeresfrüchte etc.) bekannt von beispielsweise V. alginolyticus, V. carchariae, V. cholerae non O1, non O139, V. fluvialis, V. furnissii, V. hollisae, V. mimicus, V. parahaemolyticus und V. vulnificus.
Verursacher von Wundinfektionen nach Baden in kontaminiertem Wasser sind zum Beispiel V. alginolyticus, V. carchariae, V. cholerae non O1, non O139, V. damselae., V. fluvialis, V. mimicus, V. parahaemolyticus und V. vulnificus.
Schwere Septikämien wurden bisher zum Beispiel von V. cholerae non O1, non O139, V. cincinnatiensis, V. fluvialis und V. vulnificus hervorgerufen.
Auch Produzenten des starken Nervengiftes Tetrodotoxin oder abgewandelter Varianten wurden bei der Gattung Vibrio nachgewiesen (z.B. Anhydrotetrodotoxin bei Vibrio alginolyticus und Vibrio fischeri). Man geht davon aus, dass Arten von Vibrio für die Giftproduktion verschiedener Kugelfische verantwortlich sind.

Übertragung

Orale Infektion über Wasser oder Nahrung (Lebensmittelvergiftung), hauptsächlich nach dem Genuss von nicht ausreichend erhitzten Meeresfrüchten oder von marinierten und zu früh verzehrten Nahrungsmitteln, Übertragung von Mensch auf Mensch ist nicht bekannt, Infektionen beim Baden (Wund-, Augen- oder Ohrinfektionen) z.B. nach Verletzung (auch Schürf- und Schnittwunden), Wundinfektionen in Fischereibetrieben bei Hautverletzungen.

Inkubationszeit

Bei Enteritis (als Infektion der meisten Vibrio-Arten) beträgt 24 Stunden (5-92 h),
bei Wundinfektionen bis zu einigen Tagen

Symptomatik

Bei Enteritis treten Magen-Darm-Beschwerden wie akuter Brechdurchfall und Bauchkrämpfe auf (meist leichte nicht blutige Cholera-ähnliche Durchfälle), bei schwerem Verlauf z.B. bei Nahrungsmittelvergiftung mit Vibrio parahaemolyticus kann es auch zu Kollaps-Erscheinungen kommen, die durch den hohen Wasser- und Mineralienverlust infolge der Durchfälle bedingt sind.
Wundinfektionen können zu lebensbedrohlichen Blutvergiftungen und Multiorganversagen mit Todesfolge führen. Besonders chronisch Kranke und abwehrgeschwächte Personen sind gefährdet. Wundinfektionen von V. vulnificus sind meist schwerer als die durch V. parahaemolyticus verursachten.

Komplikationen

Gefährdet sind vor allem alte Patienten, chronisch Kranke und Abwehrgeschwächte. Wundinfektionen führen nicht selten zur Amputation der Gliedmaßen. Im weiteren Verlauf befallen die Bakterien Organe und können Eiterherde im Körper bilden. In vielen Fällen kann es zu einer Blutvergiftung kommen, die in über 50% häufig tödlich endet. Je früher die Erkrankung erkannt wird umso höher liegen die Heilungschancen.

Prognose

Die Sterblichkeit ist für gewöhnlich gering, kann aber bei Komplikationen und Risikogruppen über 50% betragen.

Diagnostik

Besondere Bedeutung hat die Anamnese. Die Erreger können im Blut, Wundsekret oder Stuhl labordiagnostisch (direkt, indirekt und Kultur) nachgewiesen werden. Für die Kultur werden spezielle Nährmedien benötigt.

Differentialdiagnose

Andere bakterielle Darminfektionen, Blutvergiftungen anderer Art.

Therapie

Spezielle Therapie der Lebensmittelvergiftung meist nicht notwendig, Flüssigkeits- und Elektrolytersatz bei Gastroenteritis. Bei schweren Verlaufsformen eventuell Einsatz von Antibiotika, z.B. Chloramphenicol, Tetracyclin, Streptomycin und Doxycyclin.

Prophylaxe

In den Verbreitungsgebieten sollte auf den Genuss von ungenügend erhitzten Lebensmitteln verzichtet werden (unter anderem Fisch und andere Meeresfrüchte). In salzhaltigen Gewässern bei Temperaturen von über 20 °C auf das Baden beim Vorhandensein von Wunden (auch kleinere Schürfwunden) verzichten. Personen mit Hautverletzungen oder chronischen Erkrankungen sollten sich generell von Gewässern in denen „Vibrionen“ nachgewiesen wurden fernhalten. Auf öffentliche Badeverbote ist unbedingt zu achten! Beachtung der Hygiene bei der Lebensmittelherstellung.

Immunisation

Eine Impfung gibt es nicht.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS