Gasbrand

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Gasgangrän, Gasödem, Gasphlegmone, Clostridium-Myositis, Clostridiumzellulitis, clostridiale Myonekrose, Hospitalsbrand

Englisch: gas gangrene, clostridial myonecrosis

Erreger

Hauptsächlich Clostridium perfringens (60-90 % der Fälle), aber auch Clostridium septicum, Cl. histolyticum, Cl. novii, Cl. fallax, Cl. bifermentans u. a.

Verbreitung

Weltweit

Übertragung

Eine Aufnahme der Erreger erfolgt vorwiegend über Verunreinigungen von Wunden, meist infolge von Kriegsverletzungen, nach Naturkatastrophen, Verkehrs- oder Sportunfällen. Der Erreger kann aber prinzipiell auch bei Operationen, Schwangerschaftsabbrüchen oder intramuskulären Injektionen, also der Gabe von Spritzen in den Muskel, aufgenommen werden. Nur in 1-2 % der Fälle führt eine solche Infektion zum Krankheitsausbruch.

Inkubationszeit

Wenige Stunden bis 5 Tage

Symptomatik

Zunächst tritt eine extrem schmerzhafte, sich rasch ausbreitende Wundinfektion auf (Rötung, Hitze im Wundbereich). Meist ist beim Palpieren der Wundumgebung ein auffälliges Knistern zu hören und zu fühlen (ein Hautemphysem das durch Kohlendioxid-Bildung entsteht). Die befallene Muskulatur ist von grauroter Farbe, aus Drainagen entleert sich oft ein blutig-schwärzliches, schaumiges, süßlich-faulig riechendes Sekret.
Bei fortschreitender Krankheit ist das Krankheitsbild geprägt von Tachykardie, Verbrauchskoagulopathie, Kreislaufstörung, Atemstörungen und hämolytischer Anämie durch die Zersetzung roter Blutkörperchen mittels Toxinen der Clostridien. Hinzu kommen akutes Nierenversagen und Leberfunktionsstörungen.

Prognose

Gasbrand ist eine toxisch-infektiöse Erkrankung mit hoher Letalität. Ohne frühzeitige Behandlung verläuft die Infektion nahezu immer tödlich, wobei meist schon innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome der Tod eintritt. Behandelt liegt die Letalität bei ca. 15 - 50 %.

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand möglichst vieler Einzelbefunde des klinischen Bildes und durch Röntgenaufnahme (Zeichen: „gefiederte“ Muskulatur) gestellt und durch den mikroskopischen Erregernachweis aus einem Muskelquetschpräparat gesichert. Hilfsweise werden Erregernachweis aus Kultur, Histologie und weitere radiologische Methoden eingesetzt, kommen methodisch bedingt aber in der Regel zu spät.

Therapie

Die Therapie beinhaltet vier verschiedene Punkte:
1. Chirurgische Intervention (Beseitigung infizierten Gewebes, gegebenenfalls Amputation)
2. Antibiotikatherapie (z.B. Kombination aus Penicillin G und Metronidazol)
3. Hyperbare Oxygenierung, soweit solche Einrichtungen verfügbar sind
4. Intensivmedizin (zur stabilisierenden Behandlung der Patienten nötige Maßnahmen wie beispielsweise Beatmung oder Therapie mit Katecholaminen)
Aufgrund des schnellen Krankheitsverlaufes muss eine Therapie schon bei Verdacht auf Gasbrand beginnen.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS