Meningokokken-Meningitis

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht



Erreger

Neisseria meningitidis (Meningococcus). Insgesamt 13 Serogruppen (am häufigsten A, B, C, Y und W 135).

Verbreitung

Weltweit. Gehäuft im subsaharischen Afrika bis zum äquator (Meningitis-Gürtel), Lateinamerika und indischer Subkontinent. In Industrieländern vorwiegend Serotyp B, seltener auch C. In Entwicklungsländern vorwiegend Serotyp A.

Übertragung

Tröpfcheninfektion, auch durch engen Kontakt mit Speichelübertragung. Übertragung über Gebrauchsgegenstände selten. Symptomlose Keimträger in 5 - 10 % der Bevölkerung. Epidemien in trockenen Jahreszeiten im Herbst (September, Oktober) und zu Jahresbeginn (Januar - April). Begünstigung durch mangelnde Hygiene und Menschenansammlungen (Schulen, Kindergärten, Kasernen, etc.). Epidemien vorrangig durch Serotyp A, seltener auch C verursacht. Gefährdung im Meningitis-Gürtel (Serotyp A) vorwiegend für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche (bis zum 15. Lebensjahr), aber auch Erwachsene. In den Industrienationen (Serotyp B und C) Kleinkinder (unter 2 Jahren).

Inkubationszeit

2 - 5 (- 10) Tage (Meningokokokken-Meningitis). Wenige Stunden (Meningokokken-Sepsis).

Symptomatik

Nicht jede Infektion symptomatischer Verlauf. Asymptomatische Keimträger als Infektionsquelle für ihre Umgebung.
Meningokokken-Meningitis: Evtl. Rhinopharyngitis als Vorstadium. : Akuter Beginn. Hohes, unregelmäßiges, remittierendes Fieber mit Schüttelfrost. Starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu (Photophobie) und eine Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen (Hyperästhesie). Kopfstarre, Opisthotonus, Augenmuskellähmungen und Fazialisparese, motorische Unruhe und Bewußtseinstrübung. Säuglinge sind apathisch, schläfrig, dysphorisch, trinkfaul, kaum Symptome meningealer Reizung. ältere Menschen evtl. fieberhafter Verwirrtheitszustand oder Bild eines Apoplex. Hämatogene Streuungen: Arthritiden, Hautexantheme, petechiale Blutungen, Entzündungen von Mittelohr, Nasennebenhöhlen oder Konjunktiven, Endokarditis. Letalität unter Therapie bis zu 5 %.
Meningokokken-Sepsis (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom): Fulminanter Verlauf. Aus völliger Gesundheit hohes Fieber, rasch zunehmende Exantheme mit Suffusionen und Sugillationen, Blutdruckabfall mit Kollapsneigung und schließlich Koma. Bei beidseitigen Blutungen der Nebenniere Nebennierenversagen. Letalität trotz Therapie hoch (bis 80 - 95 %).
Spätfolgen: Hydrozephalus, Krampfanfälle, Seh- und Hörstörungen, andere Hirnnervenlähmungen und Entwicklungsstörungen der Psychomotorik.

Diagnostik

Schnelles Erfassen der klinischen Symptomatik (Fieber, Nackensteife, Bewußtseinsveränderung) mit rascher Diagnostik lebenswichtig. Lumbalpunktion zur Liquordiagnostik:
Trüber Liquor, verminderte Glukosekonzentration, erhöhte Eiweißkonzentration. Nachweis gramnegativer, intrazellulärer Diplokokken. Blutkulturen anlegen. Blutbild: Leukozytose.

Therapie

Sofortiger Therapiebeginn nach rascher Liquordiagnostik lebensentscheidend. Bei Transport über 2 Stunden Therapie vorab beginnen. Bei unbekannten Erreger Cefotaxim oder Ceftriaxon, bei Nachweis von Meningokokken Penicillin G. Kontaktpersonen von Erkrankten Rifampicin zur Chemoprophylaxe. Isolierung Erkrankter für 24 Stunden nach Therapiebeginn.

Immunisation

Gegen Serotyp A und C im bivalenten und Serotyp A, C, Y und W 135 im tetravalenten Impfstoff. Nebenwirkungsarm. Impfung einmal, bei Kindern unter dem 2. Lebensjahr zweimal. Schutz beginnt etwa 10 Tage nach Impfung. Schutzdauer mindestens 3 Jahre. Schutzrate bei Kindern unter 2 Jahren 60 - 70 %.

Meldepflicht

Erkrankung und Tod.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS