Poliomyelitis (Kinderlähmung)

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Kinderlähmung

Erreger

Poliovirus (Enterovirus der Picornagruppe), Typen 1, 2 und 3.

Verbreitung

Weltweit, jedoch nicht auf dem amerikanischen Kontinent. Häufig in Entwicklungsländern. In gemäßigten Zonen gehäufte Inzidenz in Sommer und Herbst, in tropischen Gebieten ganzjährig.

Übertragung

Fäkal-oral.

Inkubationszeit

3-14 Tage.

Symptomatik

99 % asymptomatisch. Sonst Prodromalerkrankung mit Fieber, Halsschmerzen, evtl. Diarrhoe, Gliederschmerzen, Nackensteife. Mit einem zweiten Fieberschub kann es zu neurologischen Symptomen einer aseptischen Meningitis kommen mit asymmetrischen schlaffen Lähmungen meist der unteren Extremitäten, evtl. Hirnnervenlähmungen, auch Hyper- und Parästhesien, Enzephalitis und bei der bulbären Verlaufsform Gefährdung des Atem- und Kreislaufzentrums. Danach entweder Reparation mit Ausheilen der Lähmungen in 1-2 Jahren oder Dauerschäden durch Vernarbung der Glia (Vasomotorische Störungen, Skelettdeformierung, Zurückbleiben des Knochenwachstums). Fast 50 % erleiden permanente Schäden. Die Letalität bei manifester Erkrankung liegt bei bis zu 20 %.

Diagnostik

Liquor: Zucker n, Protein leicht erhöht, Zellzahl 20 - 300/cmm. Virusnachweis aus Stuhl, Liquor, Rachenabstrich, Biopsiematerial. Methode der Wahl: Virusisolierung in Zellkultur, Typidentifizierung durch Neutralisation. Differenzierung Polio-Wild-/Impfvirus im Nationalen Enterovirus Referenzzentrum.
Antikörpernachweis benötigt zwei Blut-/Serumproben aus akuter Phase und zwei Wochen später. Typspezifische Serodiagnose schwierig wegen Kreuzreaktionen zwischen vielen Serotypen (Enteroviren). Methode der Wahl: KBR plus µ -capture IgM-Test. Neutralisationstest in Mikrotiterplatten ist einziger Test zum Nachweis der Immunitätslage (z.B. Antikörper nach Polioimpfung).

Therapie

Supportiv.

Prophylaxe

In den letzten Jahren ist, bedingt durch den Ferntourismus u. die niedrige Durchimpfungsrate in trop. Ländern, die Poliomyelitis zu einer Tropenkrankheit geworden. Gerade Erwachsene ohne vorige Auffrischungsimpfung in den letzten 10 Jahren sollten sich daher impfen lassen. Zur Reiseprophylaxe muss beachtet werden, daß nach anderen Lebendimpfungen (Gelbfieber) ein Abstand von 2 Wochen zur Polioimpfung einzuhalten ist. Impfschutz besteht für 10 Jahre nach Auffrischung.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS